Auf der Flucht vor dem Vulkan

Rauchwolke umhüllt Stromboli.
Rauchwolke umhüllt Stromboli.(c) APA/AFP/Twitter account of @mari (MARIO CALABRESI)

Etwa hundert Urlauber haben nach dem Ausbruch des Stromboli die kleine Ferieninsel verlassen. Laut Behörden ist die Lage „unter Kontrolle“, doch Experten warnen vor „hoher Gefahr“.

Lipari/Wien. Am Tag nach dem Ausbruch des Vulkans Stromboli herrschte auf dem gleichnamigen Touristeneiland Nervosität: Löschflugzeuge kreisten über die Äolische Insel und Feuerwehrmänner waren im Einsatz, um die noch lodernden Brände zu löschen. Diese waren ausgebrochen, nachdem Mittwochnachmittag Lavagestein wie ein Feuerregen auf die Insel gefallen war. Ursache waren zwei heftige Explosionen im Inneren des Vulkans – die zum heftigsten Ausbruch des Stromboli der vergangenen 35 Jahre geführt hatte.

Etwa hundert Touristen hatten bereits am Mittwoch in Panik das kleine Eiland verlassen, für die Evakuierung standen Sonderfähren bereit. Eine toskanische Familie vergaß bei ihrer eiligen Flucht sogar Dokumente und Gepäck auf der Insel. Am Donnerstag wurden zwei Schiffe auf die zwölf Quadratkilometer große Insel geschickt, um die Menschen im Notfall in Sicherheit zu bringen.

Der Vulkanausbruch hatte auch ein Menschenleben gefordert: Ein 35-Jähriger wurde von den Lavamassen bei einer Wanderung überrascht und getötet. Der Sizilianer befand sich mit einem brasilianischen Freund 400 Meter von der Vulkanspitze entfernt, als es zur Vulkanexplosion kam. Der Freund wurde dehydriert und geschockt von Rettungsteams gefunden, es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

Unter den Touristen herrschte am Donnerstag Ratlosigkeit, ob sie auf der Insel bleiben sollten oder nicht. Zwar versuchten die italienischen Behörden zu beruhigen: Die Situation sei unter Kontrolle, sagte etwa der Bürgermeister von Lipari, Marco Giorgianni. „Es kehrt auch langsam wieder die Normalität zurück. Aber natürlich ist die Angst groß.“ Giorgianni hat bereits am Mittwochabend die Ortschaft Ginostra besucht, die am stärksten von der Explosion betroffen war: „Ginostra sieht aus wie ein Kriegsgebiet“, sagte er. Exkursionen und Wanderungen am Vulkan wurden am Donnerstag untersagt.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie es weitergeht. Italienische Vulkanologen gingen zwar von „einmaligen Explosionen“ aus: „Der Vulkan scheint sich beruhigt zu haben, es gibt keine Anzeichen für eine Aktivität“, sagte etwa der Vulkanologe Boris Behnche im Gespräch mit der Zeitung „Repubblica“. Allerdings sei es schwierig, Prognosen zu erstellen, man könne weitere Explosionen nicht ausschließen.

„Entwicklung unvorhersehbar“

Deutlicher fiel die Warnung der Geologischen Bundesanstalt in Wien aus: „Die weitere Entwicklung ist mit aktuellem Kenntnisstand vollkommen unvorhersehbar“, sagte deren Leiter, Robert Supper, der APA. Eine derart große Eruption ist bei einem solchen Vulkan jedoch ein Alarmzeichen, es droht unmittelbare Gefahr durch Lava, Gesteinsbrocken oder Asche – „bis hin zu dadurch ausgelösten möglichen Tsunamis“.

Der Stromboli gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt. Zuletzt ist es in den Jahren 2002, 2007 und 2010 zu Vulkanausbrüchen gekommen. (APA, red.)