Testbericht

iPhone 11 Pro und 11 Pro Max: Super Kamera, toller Akku, aber ...

Ein hübsches Rechteck mit abgerundeten Kanten, das tolle Fotos schießt. Eine Conclusio, die heutzutage nahezu auf jedes Smartphone-Topmodell zutrifft. Der Teufel steckt im Detail, auch bei Apples iPhones.

Apple präsentierte im September seine neuen Smartphones. "Die Presse" konnte das iPhone 11 Pro und Pro Max testen. Das Design ist typisch für Apple. Ein nahezu perfektes Design, auch wenn das Unternehmen es seit Jahren nicht schafft, die Kameras plan zu verbauen. Selbst bei Samsungs Galaxy Note 10 steht die Kamera nur noch minimal über das Gehäuse.

Äußerlich bestechen die beiden Testmodelle durch mattes Glas und Edelstahl. Dadurch sollen sie nicht nur sehr resistent gegen Stürze sein, sondern auch kratzfest. Doch beim iPhone 11 Pro Max ist  (zumindest beim Testgerät) das Gegenteil der Fall. Ein Tag in der Handtasche (ohne Schlüsselbund) der Testerin und es wies einige Blessuren am Display auf. Ein Novum bei einem Testgerät in dieser Preisklasse. Das kleinere Modell überstand hingegen den Test ohne Displaykratzer. Auf Apples-Supportseiten häufen sich darüber auch die Beschwerden. Eine Schutzfolie scheint unumgänglich.

Besonders robust soll das iPhone sein. Im Praxistest erwies sich das Max als Mimose.(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner
Zum Vergleich: Das Display des iPhone X, das seit zwei Jahren im Einsatz ist.(c) Barbara Steinbrenner/Die Presse

Das matte Glas hat aber auch einen entscheidenden Vorteil: Das Gerät sieht nicht binnen weniger Minuten schmutzig aus. Es ist nahezu resistent gegen Fingerabdrücke und sonstige Verschmutzungen.

Die Größe ist Geschmackssache. Bei den Kameras hat Apple bei der kleineren Pro-Variante nicht gespart.(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Abgesehen von der aufgetauchten Displayverwundbarkeit beim getesteten Modell ist das iPhone 11 sehr gut verarbeitet. Alles sitzt, wie es soll. Das Gerät vermittelt einen hochwertigen Eindruck, wie es sich für ein Gerät in der Preisklasse auch geziemt.

Das iPhone 11 Pro ist mit einer Bildschirmdiagonale von 5,8 Zoll für all jene, die ein kompaktes und leistungsfähiges Gerät bevorzugen. Die Max-Version mit dem 6,5 Zoll großen Display richtet sich eher an jene Nutzer, die gerne Fotos schießen, diese dann auch direkt am Display bearbeiten und auch sonst darauf arbeiten und längere Texte lesen. Denn mit einer Auflösung von 2688 x 1242 Pixel kann das Modell deutlich gegenüber dem 11 und 11 Pro punkten. Vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung und beim Abspielen von HDR-Videos.

Mit 226 Gramm ist es zwar deutlich schwerer als die kleinere Variante mit 188 Gramm, aber beide Modelle liegen sehr gut in der Hand.

Die Kamera, das Gustostückerl

Ein altes Zitat aus "Der kleine Prinz", an dessen Wahrheitsgehalt sich auch heute nichts geändert hat. Beim verbauten A13 Prozessor sehen wir lediglich die Auswirkungen. Im Vergleich zum iPhone X, das 2017 auf den Markt kam, ist der Unterschied deutlich merkbar. Bei Spielen profitiert der Nutzer von diesen Verbesserungen.

Die Kamera ist aber der echte Hingucker bei den Pro-Modellen. Zwar stehen sie noch immer ein paar Millimeter über das Gehäuse und die Anordnung mag vielleicht an einen Braun-Rasierer erinnern. Aber an den Ergebnissen gibt es nichts zu meckern. Erstmals kommt beim Pro Max neben der Weitwinkel- (26 Millimeter Brennweite) und der Tele-Linse (52 Millimeter Brennweite) ein Ultraweitwinkel-Objektiv (13 Millimeter Brennweite) dazu. Alle drei Linsen lösen mit zwölf Megapixel auf und bieten bis zu 4K bei 60 Frames per Second (fps). Die Auflösung lässt sich in der Kameraeinstellung definieren. Das Ultra-Weitwinkel-Objektiv hat eine maximale Blende von 2,4, das Weitwinkel bietet maximal 1,8 und das Tele öffnet mit einer Blende von 2,0.

An der Farbtreue gibt es bei den iPhones nichts zu meckern.(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner
Selbst bei diffusem Licht schießen die iPhones gute Bilder.(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner
Ein Spiel mit Licht und Schatten.(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Fotos werden selbst im einfachen Modus ohne Extra-Einstellungen sehr gut. Die Belichtung ist optimal. Für Schnappschüsse zwischendurch ein sehr gutes Ergebnis. Dafür sorgen die Software-Algorithmen und die automatische Optimierung. Von Bildrauschen keine Spur und auch die Farbtreue ist positiv hervorzuheben.

Besonders sticht aber Apples implementierter Nachtmodus hervor. Dabei setzt die Kamera auf eine Kombination aus längerer Belichtungszeit, Mehrfach-Aufnahmen die zu einem Optimum zusammengesetzt werden und Aufhellung mittels Software. Daraus ergeben sich sehr gute Bilder.

Ein Marathonläufer, der über Grenzen geht

Der Akku ist nahezu unschlagbar. Zwar haben das iPhone 11 Pro und Pro Max bei der Einrichtung und der Installation einiger Apps nicht nur Hitzewallungen an den Tag gelegt, auch die Akkuladung verlor immens schnell. So schnell den beiden zu Beginn die Puste ausging, so ausdauernd waren sie dann im Testbetrieb. Ein Zwischenstopp an der Steckdose war erst nach zwei Tagen notwendig, bei beiden Geräten. Dabei hatte das iPhone 11 Pro Max noch zehn Prozent Vorsprung gegenüber dem kleineren Bruder. Die Kapazitäten nennt Apple nicht.

Fazit: Apples dreiste Preispolitik

Die iPhones sind durchwegs sehr gute Geräte. Das sind aber auch Smartphones anderer Hersteller. Letztendlich sind Qualität, eigene Vorliebe und der Preis entscheidend. Die Qualität ist bei Apple gewohnt gut. Beim Display von einem Scratchgate zu sprechen, ist vermessen. Aktuell sind die Beschwerden überschaubar. Ob es sich tatsächlich um eine fehlerhafte Charge handelt, wird sich zeigen. Unabhängig davon macht sich die Investition in ein AppleCare-Schutzpaket bezahlt. Das schlägt aber mit 229 Euro zu Buche, schützt aber auch vor Displayschäden. Apropos tief in die Tasche greifen: Der Preis ist ein Kriterium, das sachlich messbar ist. Und hier geniert sich Apple einfach nicht. Der Versuch, sinkende Absatzzahlen über die Preisschraube abzufedern, ist dreist. Vor allem, weil es Hersteller gibt, die ähnliche Qualität zu einem günstigeren Preis anbieten.

(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Das iPhone 11 Pro Max kostet in der kleinsten Ausführung mit 64 Gigabyte Speicher bereits 1250 Euro. Wer sich für dieses Modell entscheidet, weil er gerne fotografiert, findet mit dem Speicher kein Auslangen, vor allem hinsichtlich 4K-Aufnahmen. Für die nächst größere Version (256 GB) werden bereits 1420 Euro fällig. Das 512 Gigabyte Modell schlägt mit 1650 Euro zu Buche. Das muss man sich erst mal leisten können und auch wollen.

Zu den Farben Grau, Schwarz, und Weiß hat sich "Nachtgrün" dazu gesellt.(c) Apple

Für wen Fotografie entscheidend ist, ist mit der 5,8 Zoll Variante ebenfalls gut beraten. Vor allem, weil man hier bezüglich der Kameras keine Abstriche machen muss. Das Gerät gibt es ab einem Preis von 1150 Euro.

Disclaimer

Das iPhone 11 Pro Max wurde uns freundlicherweise von A1 zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.

>>> A1

Das iPhone 11 Pro wurde der „Presse“ von McShark bereitgestellt.

>>> McShark