Kritik

Konzerthaus: Exemplarischer Strawinski

Yefim Bronfman (Archivbild).
Yefim Bronfman (Archivbild).(c) imago/CTK Photo (imago stock&people)

In Höchstform: die Wiener Symphoniker unter Philippe Jordan mit Yefim Bronfman.

Brahms steht im Mittelpunkt der letzten Spielzeit von Jordan als Chefdirigent der Symphoniker. Nach den gefeierten Aufführungen der Symphonien im Musikverein, deren Livemitschnitte demnächst als CD publiziert werden, stehen im Konzerthaus die beiden Klavierkonzerte auf dem Programm, jeweils mit Yefim Bronfman, Artist in Residence der Symphoniker. Den Anfang machte das erste, von Brahms als Sonate für zwei Klaviere konzipiert, die er dann zu einem monumentalen Konzert erweiterte. Die Anforderungen sind beträchtlich, allein was die technischen Herausforderungen dieses schwerblütig-dramatischen Werks an den Solisten anlangt, die Yefim Bronfman gewohnt souverän löste – auch wenn er anfangs nervös wirkte, ehe er seinen spezifischen Klangsinn im subtil artikulierten Mittelsatz zeigte und im Finalsatz mit mitreißendem Elan brillierte.

Fünfunddreißig Jahre dauerte es, bis Strawinskis „Le sacre du printemps“, bei der Uraufführung in Paris einer der größten Skandale der jüngeren Musikgeschichte, erstmals im Wiener Konzerthaus erklang. Dieser Tage steht dieses Werk hier gleich zweimal auf dem Programm. Am Dienstag werden es die Philharmoniker unter Andrés Orozco-Estrada aufführen. Bereits am Wochenende erklang es mit den Symphonikern unter Philippe Jordan. Zusammen mit seinem unter seiner Ägide in die oberste Klasse aufgestiegenen Klangkörper, der dabei einmal mehr seine Klasse ausspielte, präsentierte er eine natürliche, spannende, klanglich höchst differenzierte Darstellung dieses Schlüsselwerks der Moderne. Exemplarisch. (dob)