Galaxy Note 10+

Ein kantiges Stift-Smartphone mit Harry-Potter-Ambitionen

Mit knapp sieben Zoll wird das Galaxy Note 10+ nicht übersehen. Das Samsung-Device kann im Langzeittest punkten. Bei manchen Funktionen haben sich die Südkoreaner aber übernommen.

Als Google 2012 ein Nexus-Tablet auf den Markt brachte, war es ein Überraschungserfolg für Asus und Google. Das sieben Zoll große Tablet fügte sich ideal in die Lücke zwischen die damals noch recht kleinen Handys und große, schwere Laptops. Heute, sieben Jahre später, sieht die Sache freilich anders aus. Die Smartphones hatten einen Wachstumsschub und da passt es ganz gut, dass Samsung mit seinen Note-Modellen noch einen drauflegt. Das Note 10+ knackt beinahe die Sieben-Zoll-Marke. "Die Presse" hat das Phablet getestet.

Das Galaxy Note 10+ im Vergleich zum Nexus 7 mit sieben Zoll.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

2011 war das erste Galaxy Note eine Sensation. Ein Smartphone in Übergröße, das zudem auch noch über einen integrierten Stift verfügt. Ein Novum wofür die Südkoreaner auch mächtig Spott vom Mitbewerb einstecken mussten. Samsung hat es ausgehalten und der Erfolg gab ihnen Recht. In zehn Generationen ist das Phablet, dessen Kategoriename dafür überhaupt erst geschaffen wurde, gewachsen und schlanker geworden.

Das erste Galaxy Note im Jahr 2011(c) REUTERS (Thomas Peter)

Beim Note 7 war es so dünn, dass der Akku zu wenig Platz hatte. Es ist explodiert und Samsung musste den größten Produktrückruf in ihrer Geschichte starten. Mit dem Note 10+ feiert Samsung eine erfreuliche Premiere: Zwei Varianten des selben Modells wurden auf den Markt gebracht. Das hat den Vorteil, dass sich Nutzer bei der Größe entscheiden können.

Im Gegensatz zu der Galaxy-S-Serie ist das Note schon immer kantiger gewesen. Speziell bei diesem Modell erhärtet sich der optische Eindruck durch die glänzende Metalloptik des Gehäuses.

Die Haptik

Das Note 10+ fühlt sich anders an als seine Vorgänger. Es gibt einem das Gefühl aus einem Guss zu sein. Da ist alles an seinem Platz. Eine High-End-Verarbeitung, die normalerweise Apples Spezialgebiet ist. Mit knapp 200 Gramm ist es nicht leicht, aber es ist sehr gut austariert und liegt somit sehr gut in der Hand.

In vier Farben ist das Galaxy Note 10+ erhältlich.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Auf der Vorderseite dominiert das Display, das um die Ecken gebogen ist. An der Ober- und Unterseite wurde der Rahmen minimal gehalten.

Apropos Display. Hier liefert Samsung gewohnte Qualität. Das Amoled-Display löst mit maximal 3040 x 1440 Pixel auf. Standardmäßig sind 2280 x 1080 Pixel eingestellt. Das lässt sich über die Einstellungen ändern. Das bedeutet aber auch einen höheren Stromverbrauch. Außerdem unterstützt nicht jede App eine derart hohe Auflösung, weshalb der Unterschied in der Praxis gering ausfällt. Ein Umstellen ist nicht notwendig.

Die Ferengi (Star Trek) haben R2D2 geköpft.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Das vor kurzem getestete iPhone 11 Pro Max, das ebenfalls mit einem Amoled-Display ausgestattet ist, kann sich bei der Displaydarstellung durchaus mit dem Note 10+ messen. Das Samsung-Gerät ist aber deutlich widerstandsfähiger als das von der "Presse" getestete Modell. Selbst nach zwei Monaten Dauereinsatz sind keine Kratzer oder Fahrer am Display zu bemerken.

Das kann sich aber über die Zeit noch ändern und das könnte - wie auch schon beim Galaxy S10 - dafür sorgen, dass der In-Display-Fingerprint-Sensor mit der Zeit weniger zuverlässig arbeitet. Nach zwei Monaten ist das aber noch nicht der Fall. Er reagiert besser als noch beim S10 und vor allem auch schneller. Automatisch wird beim Drücken der Funtkionstaste der Platz für den Finger zum Entsperren angezeigt. Somit verhindert man ein ständiges Suchen.


Schade, keine Klinke - Juhu, kein Bixby-Button

Der vielseits eingesetzte Notch (die tropfen-, balkenförmige Aussparung an der Oberseite) kommt bei Samsungs Note 10+ nicht zum Einsatz. Lediglich eine runde Aussparung für die Frontkamera. Auf der Oberseite ist der SIM-Slot, der auch Platz für eine microSD-Karte bietet. An der Unterseite sind lediglich die USB-C-Buchse und der Einschub für den S Pen. Erstmals hat Samsung auf einen Klinkenstecker-Anschluss verzichtet. Nachdem die meisten Kopfhörer per Bluetooth verbunden werden, macht die Einsparung Sinn. Im Gegensatz zu anderen Herstellern spart sich Samsung aber einen Adapter. Sehr schade, da viele ihre eigenen Kopfhörer aufgrund des Tragekomforts bevorzugen. Wenn man doch auf Kabel wechseln muss, kann man auf die mitgelieferten Kopfhörer-Kabel zurückgreifen. Diese sind aber zumindest mit AKG-Technologie ausgestattet und liefern ordentlichen Klang, der aber nicht vergleichbar mit hochwertigen Kopfhörern ist.

Der Bixby-Button ist weg, so wie auch der Klinkenstecker-Anschluss.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Auf der Rückseite ist links die Triple-Kamera samt ToF-Sensor und Blitz. Das Samsung-Logo ist mittig angebracht und verschwindet aufgrund des Farbe-in-Farbe-Designs. Die Platzierung des Logos ist aber kein Wegweiser für "Wireless Power Share", das zum Beispiel das kabellose Laden der Galaxy Buds ermöglicht.

Generell ist diese Funktion im Test nur selten zum Einsatz gekommen. Für unterwegs eignet sich die Funktion leider nicht und genau da wäre es von Vorteil. Hat man die Geräte aufeinander liegen, darf man sie keinen Millimeter bewegen, da man sofort wieder die Verbindung verliert.

Die größte Design-Änderung ist, dass alle Hardware-Buttons nach links gewandert sind. Der Button für Samsungs smarten Assistenten Bixby ist nun keiner mehr. Dieser heißt nun Funktionstaste in den Einstellungen (unter dem Punkt "Erweiterte Funktionen) und kann mit verschiedenen Funktionen belegt werden. Bei zweimaligem Drücken öffnet sich entweder die Kamera, Bixby oder eine App, die man selbst auswählen kann. Eine Forderung, die Samsung-Nutzer schon lange stellten und nun endlich erfüllt wurde.

Bixby ist zu Beginn noch sehr präsent. Das lässt sich in den Einstellungen aber ändern.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Da der Power-Button auf der rechten Seite verschwunden ist, kann über langes Drücken der Funktionstaste das Gerät ausgeschaltet werden. Natürlich kann aber über den selben Vorgang auch Bixby aktiviert werden, wenn man das will.

Samsung One UI und die Einhandbedienung

Beim kleineren Note 10 (6,3 Zoll) lässt sich unter Umständen das Gerät noch mit einer Hand bedienen. Beim Note 10+ muss man sich von dieser Idee verabschieden, unabhängig davon, wie groß die eigenen Hände sind. Daran ändert auch Samsungs Nutzeroberfläche One UI nichts. Es erleichtert aber einige Bedienungen. Viele Steuerungselemente sind nach unten gerutscht und lassen sich so leichter erreichen. Der obere Bereich ist für die Anzeige von Inhalten reserviert und wird nicht durch Leisten und dergleichen unnötig abgelenkt.

Leistung und Akku

12 GB RAM, 256 GB Speicher und Samsungs Exynos 9825-Prozessor sorgen dafür, dass kaum Wünsche offen bleiben. Der Arbeitsspeicher ist großzügig bemessen und im Einklang mit dem Prozessor.
Smartphones in dieser Kategorie können es bereits mit Laptops aufnehmen.

Aufgrund der Hardware-Ausstattung ist es möglich, das Note 10+ im Dex-Modus über USB-C-Kabel am Computer zu nutzen. Extra-Hardware ist dafür nicht mehr notwendig. Wobei die Benutzeroberfläche kaum Vorteile bietet. Leider ist es nicht möglich, Bilder direkt von der Smartphone-Dex-Oberfläche auf den PC zu ziehen. Ansonsten erschließt sich der Sinn der Funktion nicht ganz, denn alle Anwendungen, die im Normalfall auf einem Smartphone installiert sind, laufen auch auf dem PC. Außerdem ruckelt das System ständig und reagiert nur verzögert auf Eingaben.

Der Akku ist mit 4300 mAh ausreichend groß, um auch hektische Online-Tage entspannt und ohne Akku-Pack zu überstehen. Darum wurde das Galaxy Note 10+ auch gleich zu Beginn mit auf die IFA nach Berlin genommen. Die Tage auf einer Messe sind meist lang und geprägt davon, ständig etwas mit dem Handy zu machen. Angefangen davon, dass bereits in der Früh Amazon Music gestartet wird. Während die App Motivationsmusik abspielt, werden E-Mails gelesen, beantwortet und Anfragen geschickt. Maps wird aufgerufen, um die nächsten Termine zu finden, WhatsApp um sich mit Kollegen zu verabreden. Die Kamera ist im Dauereinsatz, die Recording-App sowieso und dann wird recherchiert, geschickt und wieder fotografiert. Nach knapp 18 Stunden im Dauereinsatz konnte das Note 10+ noch immer acht Prozent vorweisen.

An der Kamera gibt es nicht viel zu meckern. Der Ultraweitwinkel erweist sich in der Praxis als sehr feine Funktion.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Im Normalbetrieb, wenn also viele der oben genannten Dinge über den Laptop abgewickelt werden, kommt die Testerin im Schnitt zwei Tage durch.

Das Gerät lässt sich zum Glück auch wieder sehr schnell laden. Mit dem mitgelieferten 25-Watt-Stecker ist das Note 10+ innerhalb einer Stunde wieder auf 100 Prozent. In 30 Minuten schafft es knapp 60 Prozent Ladung.

Die Kamera

Es ist ein Kräftemessen zwischen den Herstellern ausgebrochen. Es zeigt einerseits nicht nur, dass die Innovationskraft bei den Rechtecken mit abgerundeten Kanten endlich ist. Und andererseits, dass ihnen auch nicht mehr viel einfällt, womit sie sich von der Konkurrenz unterscheiden können.

Auch bei schummrigen Licht, zeigt das Note 10+ seine Fertigkeiten.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Da dürfte sich Samsung einfach gedacht haben, was beim S10+ keine sechs Monate vorher schon funktioniert hat, wird es auch beim Note 10+. Denn hier kommt das gleiche Kamera-Setup zum Einsatz: Standard-Weitwinkel, Superweitwinkel und Telekamera mit zweifach Zoom.

Details erfasst die Kamera ebenfalls sehr gut.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Wobei hier schon über die Software leichte Verbesserungen vorgenommen wurden. Der Nachtmodus ist nun endlich auch vorhanden, kann aber mit dem des iPhone 11 nicht wirklich mithalten. Die Fotos sehen zum Teil unnatürlich und übersättigt aus.

Der Stift - Expecto Patronum

Der S Pen ist eines der Alleinstellungsmerkmale der Note-Serie. Sein Werdegang ist erstaunlich. Vom Stift zum universalen Bedienungselement. Die Druckstärken des Stifts werden zunehmends sensibler. Zeichenkünstler können hier tatsächlich schöne Dinge fabrizieren. Andere können sehr schöne Listen verfassen. Die integrierte Scroll-Aufnahme, die ganze Online-Texte in einen Schwung aufnehmen lässt, um dann Notizen vorzunehmen, ist ideal. Nicht nur Fragmente einer Seite abspeichern zu können, erleichtert das Arbeiten.

Die neuen Gestenfunktionen im Note 10+ sind nicht ausgereift.(c) Die Presse/ Barbara Steinbrenner

Fraglich sind nur die Gestensteuerungen, die in der Theorie mit dem Stift möglich sein sollen. Vor- und zurückspulen, Lautstärke ändern oder zwischen Front- und Hauptkamera wechseln, soll möglich sein. Auch nach mehreren Testanläufen wollte es nicht funktionieren. Es bleibt bei einer guten Idee und dem Trockentraining für Harry-Potter-Conventions.

Fazit

Das Galaxy Note 10+ ist ein sehr gutes Arbeitsgerät. An der Ausdauer, Leistung, dem Design gibt es nichts zu meckern. Ein Umstieg von einem Galaxy S10 oder einem Note 9 ist aber zu gering, um sich bezahlt zu machen. Wer große Geräte schätzt, wird sich schnell mit dem Samsung-Handy anfreunden.

Da bleibt aber am Ende des Tages aber noch immer die Frage nach dem Preis. Und wohl auch aus diesem Grund hat sich Samsung dafür entschieden, zwei Modelle auf den Markt zu bringen. Mit dem kleineren Gerät hat Samsung noch immer ein Note unter 1000 Euro auf den Markt gebracht. Für das Note 10+ werden hingegen 1099 Euro (256 GB) beziehungsweise 1199 Euro (512 GB) fällig. Ein Blick auf Geizhals.at verrät, dass die 256 GB Variante beim Versandhändler Universal um 100 Euro unter der unverbindlichen Preisempfehlung liegt.

Hier die Funktionen und technische Ausstattung des Note 10+.(c) Samsung

Da die Preise aber bei Samsung relativ schnell fallen, zahlt es sich aus, auf Aktionstage zu warten. Der Black Friday (29. November) nähert sich und es könnte durchaus sein, dass es hier Schnäppchen zu holen gibt.