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Erste Bank Open

Dominic Thiem: „Ich brauche dieses bisschen Stress“

Zuerst die Show über den Dächern Wiens, dann das Spiel am Centre-Court: Dominic Thiem trifft heute auf Jo-Wilfried Tsonga.
Zuerst die Show über den Dächern Wiens, dann das Spiel am Centre-Court: Dominic Thiem trifft heute auf Jo-Wilfried Tsonga.(c) APA/PHILIPP CARL RIEDL

Dominic Thiem trifft heute bei den Erste Bank Open auf den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga. Zuvor spricht der 26-Jährige noch über Form, Druck – und Thomas Muster als potenziellen Coach.

Wien. Seit vergangenen Mittwoch bereitet sich Dominic Thiem auf die Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle vor. Kein anderer Spieler hat im Vorfeld des Turniers mehr Zeit auf dem Center Court am Vogelweidplatz verbracht, das ist durchaus ein Luxus, den nur Superstars und Lokalmatadoren genießen. Insgesamt sechs Trainingstage hat Thiem also vor seinem heutigen Auftaktspiel gegen Jo-Wilfried Tsonga (17.30 Uhr, live ORF Sport+, Sky) in den Beinen, so sieht eine perfekte Vorbereitung aus. „Das hilft ungemein“, sagt der 26-Jährige.

Dienlich ist gewiss auch die aktuelle Form. Erstmals ist der Niederösterreicher mit Selbstvertrauen von der vorangegangenen Asientournee heimgekehrt. In Peking feierte er nach Siegen über Andy Murray, Karen Chatschanow und Stefanos Tsitsipas seinen 15. Turniersieg, das Viertelfinale beim ATP-1000-Event in Shanghai übertraf ebenfalls alles bisher Dagewesene. Denn in Asien hatte Thiem in den Jahren zuvor niemals zwei Matches in Folge gewonnen. „Peking war richtig gut, über Shanghai brauche ich mich auch nicht zu beschweren. Ich bin ziemlich gut drauf.“

Heimatgefühle

Wien und die Stadthalle sind für Thiem eine echte Herzensangelegenheit. Die Gelegenheiten, sich dem heimischen Publikum zu präsentieren, sind auf der Tour, wo auf sämtlichen Kontinenten ein Turnier das nächste jagt, ungemein rar. Für den Daviscup gegen Chile in Salzburg (Februar) musste der Lichtenwörther passen, in Kitzbühel (August) erfüllte sich der Schützling von Nicolás Massú mit dem Titelgewinn einen Traum.
Und jetzt? Natürlich erwartet das Gros der Fans auch hier nichts anderes als den nächsten Turniersieg, weil Thiem als Weltranglistenfünfter topgesetzt ist, weil er der Hoffnungsträger einer ganzen Tennisnation ist. Und weil seit Jürgen Melzer 2010 kein Österreicher die Trophäe gestemmt hat.

Dabei ist die Konkurrenz trotz namhafter Absagen von Kapazundern wie Daniil Medwedew, Kei Nishikori, Juan Martin del Potro oder Nick Kyrgios immer noch sehr groß. Neben dem ÖTV-Star tummeln sich gleich sechs weitere Top-20-Spieler in Wien. Mit Jo-Wilfried Tsonga ist die erste Hürde bereits eine sehr hohe, ein Scheitern wäre keineswegs eine Schande. Der Franzose, 34, mag seine Blütezeit zwar hinter sich haben, kann an guten Tagen – vor allem auf schnellen Belägen wie in Wien – aber immer noch jedem Spieler gefährlich werden. Für Thiem ist Tsonga „eines der unangenehmsten Lose, das man bekommen kann.“

Thomas Muster, die „erste Wahl“

Doch wie fühlt es sich eigentlich an, vor rund 9000 Fans aufzuschlagen, die nichts anderes als einen Sieg erwarten? „Es ist niemals nur Spaß“, gesteht Thiem. Wenn er ein Match bestreitet, verspürt er keineswegs ausnahmslos Freude, so funktioniert der Spitzensport nicht. „Ich muss diesen gewissen Druck spüren. Druck hilft mir, gut zu spielen. Du brauchst dieses bisschen Stress, um dein bestes Tennis zu spielen.“

Mit Druck konnte auch Thomas Muster, ehemalige Nummer eins und French-Open-Champion 1995, bestens umgehen. Wie die „Presse“ bereits vergangene Woche berichtete, soll es im Team Thiem den Wunsch geben, neben Touring Coach Massú bei ausgewählten Turnieren wie den French Open auch Muster als sogenannten Supercoach zu installieren. Am Dienstag sagte Thiem: „Es ist noch nichts fixiert, aber Tom ist definitiv meine erste Wahl. Es liegt auf der Hand, dass er mir helfen könnte.“

Einen Testlauf könnte es bereits beim neu geschaffenen ATP Cup Anfang Jänner in Australien geben, wo Muster das ÖTV-Team als Kapitän anführen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2019)