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Kolumne zum Tag

Gewissensprüfung am Mistkübel

(c) imago images / Panthermedia (´leila777divine´)

Nein, ich halte mein Recycling nicht für vorbildlich.

Dein Recycling ist makellos, lobte mich unsere Bekannte P., nachdem ich ihr einen 60-Liter-Sack voll Kunststoff- und Metallmüll überreicht hatte, den sie nach ihrem während einer Kindergeburtstagsparty von ihrer Tochter verschmissenen Ring (Familienerbstück seitens des Göttergatten!) zu durchwühlen gedachte (Auflösung dieses Dramoletts: der Ring war nicht im Abfall, sondern in einer Nische zwischen Kredenz und Geschirrspüler). Ein tröstliches Lob zweifellos. Aus der ernsten Gewissensprüfung mochte es mich dennoch nicht befreien, denn nein, entgegen ihrer Behauptung halte ich mein Recycling nicht für vorbildlich, sondern für permanent makelbehaftet.

Beginnen wir beim einfachsten, dem Altpapier. Da kann man nichts falsch machen, denken Sie? Nun, dann die Gretchen(-Thunberg)-Frage an Sie: Büroklammern aus alten Magazinen herausziehen oder drinnen lassen? Papiersackerln vom Bäcker auch dann rezyklieren, wenn das Croissant einen hauchzarten Fettfleck hinterlassen hat? Und wenn das schon nicht so trivial ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, dann wird es beim Thema Kunststoff wirklich ernst. Natürlich weiß ich: weder Plastiksackerln, noch Joghurtbecher gehören da hinein (erstere blockieren die Müllzerkleinerungsmaschinen, zweitere sind aus Polypropylen, das derzeit nicht ökonomisch und energetisch sinnvoll wiederverwertet werden kann). Nur Getränkeflaschen und vergleichbare Kosmetikbehältnisse, entnahm ich dem Leitfaden auf der Website des für uns zuständigen Brüsseler Entsorgungsbetriebes. Aber was ist mit anderem wiederverwertbaren Plastik, das keine Flaschenform hat? Soll ich (wohlgehütetes Geheimnis vor meiner Frau, die mich wohl für meschugge halten würde) weiterhin die aus Hartplastik gefertigte Halterungen der WC-Steine abspülen und eine etwaigen stofflichen Auferstehung in anderer Form zuführen? Fragen über Fragen. Und nicht einmal die schwersten: In zwei Wochen reden wir hierorts über den Biomüll.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2019)