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Auswärtsspiel

Aus dem erhofften Homerun wurde indes ein Auswärtsspiel, begleitet von Pfiffen und Buhrufen.

Baseball ist ein amerikanischer Nationalsport, den nur die Amerikaner – und vielleicht noch die Kubaner – verstehen; und die auch nicht in seiner ganzen Dimension. Wie keine andere Sportart beschreibt Baseball die amerikanische Mentalität, und viele Begriffe sind in die Alltagssprache eingegangen: Homerun, Softball . . .

Profan ausgedrückt geht es darum, dass auf dem Feld zwei Mannschaften ein langwieriges – um nicht zu sagen langweiliges – Spiel betreiben, das aus Werfen, Fangen und Laufen besteht, während die Zuschauer stundenlang plaudern, Bier, Softdrinks, Burger und Hotdogs in sich hineinschütten und -stopfen. Das wäre also durchaus nach dem Geschmack Donald Trumps.

Nun begab es sich, dass Washington nach mehr als 80 Jahren wieder Heimspiele in der Baseball-Finalserie austrug. Die Hauptstadt war aus dem Häuschen, und auch der Präsident verließ das Weiße Haus. Aus dem erhofften Homerun wurde indes ein Auswärtsspiel, begleitet von Pfiffen und Buhrufen. Womöglich traute er sich darum als Einwerfer nicht auf das Feld, weil er fürchtete, ein Schlagball – keineswegs ein Softball – könnte ihn auf dem Kopf treffen, die Trump-Tolle durcheinanderbringen und ihm ein blaues Auge verpassen. Noch mehr fürchtete er sich womöglich aber vor dem ehernen Gesetz: „Three strikes and you are out.“

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2019)