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Interview

Neuer Ballettdirektor: Martin Schläpfer im Gespräch

Dezent. Die Solotänzer Eno Peçi und Jakob Feyferlik überschminken ihre Tattoos, wenn es nötig ist.
Dezent. Die Solotänzer Eno Peçi und Jakob Feyferlik überschminken ihre Tattoos, wenn es nötig ist.(c) Martin Schläpfer
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Der Schweizer Martin Schläpfer übernimmt das Wiener Staatsballett.

Seinen 60. Geburtstag wird Martin Schläpfer im Dezember 2020 in Wien feiern. Mit 1. September zieht der Schweizer Tänzer und Choreograf als neuer Direktor in das Ballettbüro in der Staatsoper. Er folgt damit auf den französischen Tänzer Manuel Legris, der als Ballettchef das vor zehn Jahren wenig glänzende Ballett der Staatsoper zum international angesehenen „Wiener Staatsballett" geformt hat. Bald wird ihm Martin Schläpfer seinen Stempel aufdrücken. Gekrönt mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, verlässt er am Saisonende seine Compagnie, das Ballett am Rhein in Düsseldorf und Duisburg, und wird die Verantwortung für ein gut doppelt so großes Ensemble mit einem reichen Repertoire und einer langen Geschichte übernehmen. Die Stile von Legris und Schläpfer könnten unterschiedlicher nicht sein. Schläpfer zeigt moderne, auf der klassischen Technik basierende Choreografien und ist ein Geschichtenerzähler. Legris ist, geprägt von Rudolf Nurejew und seiner eigenen Karriere, ganz dem klassischen Ballett im französischen Stil ergeben. Im Festspielhaus St. Pölten kann man am ersten Frühlingswochenende 2020 einen tiefen Blick in Schläpfers Tanzwelt werfen. Der neue Wiener Ballettchef kommt mit dem Ballett am Rhein, um sein 2018 kreiertes abendfüllendes Ballett „Schwanensee" zu zeigen. Was sagt er zum Thema Tattoos bei Tänzern? Das „Schaufenster" hat Schläpfer während einer Japan-Tournee erreicht.

Martin Schläpfer.
Martin Schläpfer.(c) Gert Weigelt

Wie stehen Sie zu Tattoos auf der Bühne?
Wenn ein Stück oder Ballett den Menschen von heute repräsentieren darf und soll, stört mich ein Tattoo nicht. In einer klassischen „Giselle" aber geht das nicht. Das passt nicht mit zu den poetischen Anteilen, die eine klassische Romantik zu repräsentieren hat – wie etwa bei Heine! Alles ist aber auch eine Frage des „how much", denn es geht hier nicht nur um meine eigenen Toleranzanteile oder den Tänzer oder das Stück, sondern auch um die Wahrnehmung des Einzelnen im Publikum. Ein „too much" lässt dem Publikum, das sich ja immer aus Individuen zusammensetzt, keine Wahl mehr, ein Tattoo zu vergessen oder es ignorieren zu können oder als „organischen" Teil dieses Tänzers und Menschen zu akzeptieren, sondern forciert und zwingt etwas auf. Ich persönlich finde immer, dass ein Publikum eine Wahl haben sollte. Der Tänzer/Künstler muss durch seine Kunst, sein Charisma bannen – nicht durch seinen Look.

 

Ist es bei der Besetzung interessant, ob ein Tänzer/eine Tänzerin sichtbar tätowiert ist?
Für mich persönlich nicht.

 

Gibt es Choreografien, wo ein Tattoo sogar gewünscht ist?
Nein. Immer – und auch heute noch – ist es zum Glück noch der Künstler, der Mensch, als großes psychisch-geistiges Phänomen, der das Theatererlebnis zu etwas Magischem macht. Natürlich auch die Qualität der Inszenierung, der Choreografie. Aber sicher nicht das „Tattoo" oder das „Nicht-Tattoo". Solange man „nebenbei" tätowiert ist, ist alles o. k. Solange man das nicht zu einem Lebensinhalt und „Schau mal her"-Inhalt hochstilisiert und dabei verliert, worum es im Leben eigentlich in der Essenz geht, finde ich das völlig in Ordnung. (Interview: )

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