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Heilige und Scheinheilige

Es gibt verschwindend wenig Heilige, eine Unzahl an Scheinheiligen, noch mehr Normalsterbliche und Sünder.

Und es gibt die „Saints“, die Fußballer aus Southampton, die neulich wie begossene Pudel nach einer 0:9-Packung vom Feld schlichen. Es schüttete „cats and dogs“, wie sie drüben auf der Insel sagen. Nach 20 Minuten stand es 0:3, und ein Spieler der „Saints“ war nach einem Foul schon vom Platz gestellt. Hoch würden die Kicker nicht mehr gewinnen, wie Witzbold Anton Pfeffer einmal angemerkt hatte. Lang vor dem Abpfiff flüchteten viele Fans – just – aus dem St.-Mary's-Stadion in die nahen Pubs, um ihren Frust zu ertränken.

Ralph Hasenhüttl, der österreichische Trainer, wäre vor Scham am liebsten im Rasen versunken. Als ob Gott noch helfen könnte, nahm er seine Spieler in der Kabine ins Gebet, und sie legten die Beichte ab. Schließlich spendeten alle ihre Gage an die vereinseigene karitative Stiftung. Nicht, dass sie am Ende der Saison noch um Almosen betteln müssen; dass die Fans einen Fonds für verarmte Fußballmillionäre ins Leben rufen, die sich ihre Sport-Coupés, ihre Coiffeure und Tattoo-Künstler nicht mehr leisten können.

Was, wenn das Beispiel Schule macht? Sollten britische Volksvertreter ihr Gehalt wegen des Fiaskos an die Wähler zurückzahlen? Die zahlen es ihnen spätestens an der Wahlurne zurück. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2019)