Preisverleihung

Mit Pinselstrichen und Sprechblasen die Welt erklären

Im Comic „Die Superkäfer“ kämpft Sarah gegen den Einsatz von Pestiziden.
Im Comic „Die Superkäfer“ kämpft Sarah gegen den Einsatz von Pestiziden.(c) H.Eshrat/ÖAW

Die vier Sieger des Wettbewerbs für Wissenschaftscomics der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zeigen einmal mehr: Popkultur und Wissensvermittlung schließen einander nicht aus. Die prämierten Cartoons für Kinder ab acht Jahren bezaubern mit Witz und Fantasie.

Sarah interessiert sich für Käfer. Sie sammelt besondere Exemplare mit einer Pinzette ein, zeichnet sie ab und dokumentiert ihren Fundort. Auch ihr Schulkollege Felix begeistert sich für Insekten – allerdings eher für jene mit geheimen Superkräften. Spiderman zum Beispiel. Erst als die beiden in der Schule von einer Gastwissenschaftlerin erfahren, wie nützlich Insekten wegen ihrer Superkräfte für Natur und Mensch sind, erkennen die beiden, dass ihre Interessen gar nicht so unterschiedlich sind. Zum Glück, denn schon bald wartet eine Mission auf Sarah und Felix. Sie entdecken in ihrer Heimatgemeinde auf einem Feld viele tote Käfer. Der Schuldige ist schnell ausgemacht: ein landwirtschaftliches Pestizid. Die Kinder beginnen, auf eigene Faust zu recherchieren, und erfahren, dass Laufkäfer als natürliche Schädlingsbekämpfer eingesetzt werden können. Jetzt gilt es nur noch, die Dorfbauern davon zu überzeugen.

Die Geschichte von den „Superkäfern“ stammt aus der Feder des Grafikers und Graphic-Novel-Autors Hamed Eshrat. Er hat damit den Wissenschaftscomic-Wettbewerb der ÖAW (der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren in der Kategorie Biologie gewonnen. Die insgesamt vier Siegercartoons wurden aus über 90 Einreichungen gewählt und mit einem mit jeweils 12.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet. Vergangenen Mittwoch fand die Preisverleihung im Hauptgebäude der ÖAW statt. Neben Eshrat überzeugten die Illustratorin Marlin Beringer (Genetik), der Comic-Zeichner Tobias Gossow (Astronomie) sowie der Texter und Drehbuchautor A. W. Grill und der Illustrator Martin Udovičić (Geschichte) mit ihren Comics die Jury.

 

Amüsant verpackte Tatsachen

In „Emma, stell dir vor . . .“ unternehmen Grill und Udovičić eine Reise ins Mittelalter. Titelheldin Emma erlebt eine Reihe (gedanklicher) Abenteuer und muss am Ende sogar einen Freund vor dem Pranger retten. Nicht erst beim Showdown geht dabei die Fantasie mit dem Mädchen durch, wie die Erzählstimme nachsichtig anmerkt – ein schöner narrativer Kniff. Denn, wie heißt es am Ende nicht ohne Augenzwinkern: „Lass dir niemals von Tatsachen eine gute Geschichte verderben.“

Gute Geschichten erzählen die ÖAW-Gewinnercartoons allemal. Sie sind genauso fantasievoll wie faktenbasiert, auch wenn die Rahmenhandlungen mitunter fantastisch angelegt sind. Etwa wenn in „Der Planet der Pflanzen“ von Tobias Gossow ein Alien vom Planeten Xolo und der Menschenjunge Theo auf der Erde zusammentreffen. Das Besondere an dem kleinen außerirdischen Wesen: Es entpuppt sich als Pflanze. Ein realistischeres Setting wählte Beringer. In ihrem Comic „1.000 Fragen und eine Kartoffel“ geht es um drei Schülerinnen und Schüler, die durch ein zunächst langweilig erscheinendes Schulprojekt auf spannende Fragen zum Universum stoßen – zum Beispiel auf jene danach, ob eine Kartoffel auf dem Mars überleben kann. Kleiner Kritikpunkt: Bisweilen drängt das erwünschte Prädikat „pädagogisch wertvoll“ etwas zu sehr in den Vordergrund. Dem Lesevergnügen tut das aber hoffentlich keinen Abbruch.

Die Comics wurden österreichweit an Volksschulen, Neue Mittelschulen und AHS-Unterstufen verteilt. Sie können auch auf der ÖAW-Website heruntergeladen werden. Hier gibt es zusätzlich ein Wissensquiz mit Urkunde zum Ausdrucken, Interviews mit Forscherinnen und Forschern sowie Videos, in denen eine junge Reporterin auf die Wissenschaft hinter den Comics eingeht. Außerdem laden Experimente zum Nachmachen ein – etwa wie Regenwürmer Laub in fruchtbare Erde verwandeln oder wie man Botschaften mit unsichtbarer Tinte schreiben kann.

Web: oeaw.ac.at/akademics

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2019)