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IoT greift Landwirten unter die Arme

Digitale Lösungen helfen der Landwirtschaft, ressourcenschonender zu arbeiten. In der Lebensmittelindustrie sorgen sie für eine Optimierung der Produktion, des Transports und des Verkaufs.

Daten sind die Grundlagen jeder IoT-Anwendung, auch in der Landwirtschaft. Um diese Daten zu gewinnen, muss man zuerst einmal Analysen vornehmen. In der Landwirtschaft sind dies Analysen der Bodenbeschaffenheit in puncto Temperatur und Wasser. Dabei spielt natürlich auch das Wetter eine entscheidende Rolle. Das in Klosterneuburg beheimatete Unternehmen Adcon Telemetry entwickelt und vertreibt Systemlösungen, die diese Daten sammeln und auswerten.  Kernstück sind dabei unter anderen digitale Funkgeräte für die Datenübertragung über UHF- und GSM/GPRS-Technologie. Das Besondere an den Funkgeräten ist, dass sie Daten über viel größere Entfernungen übertragen können als andere Geräte. Mit kleinen Akkupacks, die mittels Solarpanel wieder aufgeladen werden, können die Geräte autark betrieben werden. Natürlich gibt es dazu auch entsprechende Softwarelösungen, die die Daten visualisieren und sie via Webserver überall auf der Welt verfügbar machen.  

Precision Farming

„Precision Farming“, Computer Aided Farming (CAF) oder auch Teilschlagbezogene Landwirtschaft – drei Begriffe, die eigentlich dasselbe meinen. Im Grunde geht es darum, mittels Einsatz moderner Technologien die Unterschiede des Bodens und die Ertragsfähigkeit innerhalb eines Feldes (Schlag) zu ermitteln und bei der Bearbeitung zu berücksichtigen. So wird unter anderem die Position von Maschinen auf den Feldern erfasst, die Maschinen selbst wiederum erfassen und dokumentieren schon während der Bearbeitung wichtige Daten wie etwa den Ertrag. Die Daten werden anschließend ausgewertet und beeinflussen so die weitere Bearbeitung des Bodens,  z. B. die Düngung. Diese kleinräumig orientierte Bewirtschaftung ermöglicht den gezielteren Einsatz von Saatgut und Düngemitteln und führt damit zu Kosteneinsparungen. Gleichzeitig kann sie auch für eine ökologische Entlastung durch den geringeren Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbizide) bzw. zum kompletten Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden genutzt werden. „Digitales Farming“ – wie man es in Neudeutsch ausdrücken würde. Einem Bericht der NZZ zufolge, schätzt das US-Landwirtschaftsministerium, dass auf rund der Hälfte der US-amerikanischen Anbaufläche der wichtigen Kulturen (u. a. Mais, Soja, Weizen) GPS-Leitsysteme eingesetzt werden. Die Systeme steuern und automatisieren dabei auch den Einsatz von Traktoren.

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Digitale Lösungen, die das Internet nutzen, um die Produktion zumindest in Teilen zu automatisieren, werden auch hierzulande längst verwendet. So sorgen etwa Klimacomputer in Gärtnereien für die optimale Heizung und Belüftung der Pflanzen. Im Bedarfsfall schlägt der Computer Alarm und kann über das Internet via Handy, Tablet oder Laptop gesteuert werden.  Auch in Weinbaubetrieben haben IoT-Lösungen längst Einzug gehalten.  Der burgenländische Winzer Erich Scheiblhofer zählt diesbezüglich sicher zu den Vorreitern in seiner Branche. Die computergesteuerten kellerwirtschaftlichen Einrichtungen sorgen dafür, dass der Winzer jederzeit den Überblick behält. Die Abfüllanlage und die Filteranlage sind via Internet vernetzt und können mit dem Handy gesteuert werden.

Schimmelpilz aussortieren

IoT-Lösungen, aber auch Künstliche Intelligenz, werden mittlerweile von  zahlreichen Unternehmen in der Produktion eingesetzt. Die Schweizer Bühler Group hat gemeinsam mit Microsoft eine neue intelligente Sortiertechnologie entwickelt, die cloudbasierte optische Echtzeit-Analysen nutzt, um durch Aflatoxin kontaminierte Maiskörner zu identifizieren und auszusortieren. Aflatoxin ist ein Gift, das von Schimmelpilzen produziert wird. Der Schimmelpilz kann auf Nahrungsmitteln wachsen, wenn diese unter feuchtwarmen Bedingungen gelagert werden. Das Gift kann Leberkrebs verursachen und ist einer der Faktoren, die bei Kindern zu Wachstumshemmungen führen kann.

Überwachung der Kühlkette

Speziell beim Transport von verderblicher Ware ist die lückenlose Überwachung der Kühlkette ein absolutes Muss. Auch diese Aufgabe wird mittlerweile von digitalen Lösungen erleichtert. So etwa beim mittelständischen Großhandelsunternehmen Köhldorfer, das in der südoststeirischen Stadt Feldbach beheimatet ist.  Das Unternehmen beliefert an die 1800 Kunden mit tiefgefrorenen Lebensmitteln. Die Bestellaufnahme und die Bestellung der Waren laufen längst über den PC. In den Transportfahrzeugen wiederum sorgen eingebaute SIM-Karten dafür, dass die Temperatur im Kühlraum des Lkw ständig überwacht wird. Wenn die Ware zugestellt wird, erhält der Kunde von einem im Lkw eingebauten Drucker eine Temperaturaufzeichnung, für Großküchen ein Muss. Sie brauchen diese Temperaturaufzeichnung, um die lückenlose Überwachung der Kühltemperatur nachweisen zu können.

Retail 4.0

Um die Digitalisierung im Handel aufzuzeigen, wurde in Anlehnung an den Begriff Industrie 4.0 das Schlagwort Retail 4.0 kreiert. Eines der Unternehmen, das auf IoT-Lösungen setzt, um seine Kunden beim Sprung in das Zeitalter Retail 4.0 zu unterstützen, ist Bizerba. Das 1866 im schwäbischen Baltingen gegründete Familienunternehmen ist vor allem für seine Waagen bekannt. Eingesetzt werden diese insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel und bei Fleischhauereien.  Die Waagen-Software „RetailPowerScale“ macht aus der PC-Waage ein multifunktional einsetzbares Gerät. Die Kunden erhalten beispielsweise die Möglichkeit, die Inhaltsstoffe von Wurstprodukten auf einem eigenen Informationsterminal abzurufen. Das ist ein Vorteil speziell für Allergiker. Über eine spezielle Softwarelösung (Retail Control) können außerdem auf Knopfdruck die Datenstände aller Geräte in einem Filialnetz vereinheitlicht werden.

Selbst in der Verpackungsindustrie greift man auf digitale Lösungen zurück, um unter anderem der  Kontamination von Lebensmitteln entgegenzuwirken. Die in Österreich beheimatete Greiner Packaging zählt zu den führenden europäischen Herstellern von Kunststoffverpackungen im Food- und Non-Food-Bereich. Das Unternehmen hat die „Multi Barrier Technology” (MBT) entwickelt, mit der Lebensmittel wie Babynahrung, Fertiggerichte und vieles mehr besser geschützt werden sollen. Das Verfahren ist darauf ausgelegt, den Inhalt der Verpackungen vor äußeren Einflüssen zu schützen und die Produkte ohne die Zugabe von potenziell allergieauslösenden Konservierungsstoffen länger frisch zu halten. In einem Microsoft-Blog heißt es dazu: „Dieses Verfahren ist voll automatisiert und kontaktfrei und wird rund um die Uhr von einem Mehrkamerasystem überwacht. Greiner erfasst und analysiert die Daten, die in Microsoft Azure generiert und mithilfe von Künstlicher Intelligenz verarbeitet werden.“ Dadurch können Muster erkannt und mögliche Fehler im Produktionszyklus vorhergesagt werden. Das Risiko menschlichen Versagens wird minimiert und es wird zudem verhindert, „dass kontaminierte oder abgelehnte Produkte in die Lieferkette gelangen.“