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Mein Freitag

Die Uhr am Herd kocht ihr eigenes Süppchen

Verblüffend einfache Dinge erweisen sich manchmal als ganz schön kompliziert.

Jemand hat kürzlich eine lustige Bemerkung über das Umstellen der Backofenuhr gemacht, und tatsächlich haben viele Menschen damit ihre Mühe (es ist ähnlich wie bei der Uhr im Auto). Wenn man weiß, wie es geht, ist es watscheneinfach, mit Versuch und Irrtum wird man aber erstens reizbar und hat danach zweitens alle Funktionen verstellt und das Backrohr schaltet sich nach sechs Stunden eigenständig ein und backt imaginäres Brot. Gibt es wirklich Leute, die solche zeitversetzten Funktionen nützen?

Das Backrohr zeigt derzeit jedenfalls eine Fantasiezeit an, weil irgendwann der Strom ausgefallen ist, und wenn sich diese Fantasiezeit nicht immer wieder ändern würde, wüsste man gar nicht, dass der Strom offenbar öfter ausfällt als angenommen. Der Wecker und die Uhr in der Küche gehen weiterhin absichtlich vor, damit niemand zu spät kommt, aber die Erfolgsquote bleibt gering. Es ist also egal, was auf dem Herd steht.

Es ist ebenso egal, was auf einer Tür steht, „Drücken“ oder „Ziehen“, es wird fast immer das Gegenteil gemacht, erzählt ein Gastronom. Und die kleine Stufe, vor der er schriftlich warnen muss, bringt die Gäste regelmäßig zum Stolpern. Insofern freut er sich schon, den rauchenden Gästen vor der Tür zu sagen, sie mögen bitte leiser sein. Wo wird schließlich mehr gehustet als dort, wo man zur Ruhe aufgefordert wird, im Theater etwa oder im Konzertsaal.
Ein Physiotherapeut hat erzählt, dass die Aufforderung, sich auf den Bauch zu legen, für Patienten schwieriger umzusetzen sei, als komplizierte Anordnungen zu befolgen. Fast jeder dreht sich im ersten Moment auf den Rücken – und umgekehrt. Warum ist das so? Man ist offenbar eher auf Schwierigkeiten vorbereitet, nicht umsonst heißt es „verblüffend einfach“. Nur die Uhr kocht immer noch ihr eigenes Süppchen.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com