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Der Adventkalender-Skandal

Selbstgebastelter Adventkalender
Selbstgebastelter Adventkalender(c) imago images / Panthermedia (´scerpica´ via www.imago-images.de)
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Ich fange jetzt sicher nicht damit an, wie schnell die Zeit bis Weihnachten dahinrast, aber: Es geht schon ziemlich schnell, oder?

Haben Sie zum Beispiel schon einen Adventkalender besorgt? Mittlerweile gibt es auch für Erwachsene zig Adventkalender-Varianten, die vom Inhalt her mal mehr, oft eher weniger mit der besinnlichen Zeit zu tun haben: Da gibt es Kosmetik-Überraschungen hinter jeder Tür, Chips (!) und sogar einen Gin-Adventkalender mit Mini-Ginflaschen.

Das eigentlich Skandalöse aber wäre mir ohne den Adleraugen-Adventkalender-Radar-Sichtungsblick des Kindes womöglich gar nicht aufgefallen: In einem Kosmetikgeschäft hat das Kind nämlich einen hübschen Adventkalender entdeckt, der 25 Türchen hat. Fünfundzwanzig! Seither schaue ich genau und habe mehrere Kalender mit 25 und sogar einen mit 32 (!) Türchen entdeckt! Das geht bitte gar nicht. Abgesehen davon, dass man nicht so einfach diesen Grundpfeiler der Adventkalender-Logik verändern kann: Wer möchte denn überhaupt nach dem 24. Dezember noch Türchen aufmachen? (Das ist wie mit den Weihnachtskeksen: Die isst nach den Feiertagen auch niemand mehr.) Oder soll man mit dem Öffnen früher, also Ende November, beginnen, was ein weiterer Tabubruch wäre und zudem ziemlich verwirrend? Und was kommt als Nächstes? Ein Adventkranz mit sechs Kerzen, dessen erste Kerze man mit der Eröffnung der Weihnachtsmärkte anzündet?

Gerade in der Adventzeit geht es ja darum, dass alles möglichst in den bewährten Bahnen verläuft. Die Kerzen müssen dieselben Farben haben wie immer schon, am 24. Dezember wird stets das Gleiche gegessen. Und wie immer macht man sich mit zig Leuten aus, dass man „noch einmal vor Weihnachten“ auf einen Punsch geht, wo man dann die heikelste aller Fragen („Hast du schon alle Weihnachtsgeschenke?“) beantworten muss. Fix zur Adventzeit gehört auch, dass man die eine oder andere Kolumne liest, in der der Verfall der Sitten (25 Adventkalendertürchen!) beklagt wird. Zumindest Letzteres können Sie dieses Jahr schon abhaken. Und lassen Sie sich den Punsch schmecken!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

[PY590]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2019)