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Medizin

Fettreiche Ernährung schadet dem Gehirn des Ungeborenen

Symbolbild.
Symbolbild.(c) imago/STPP (imago stock&people)

Weniger gesunde Hirnnetzwerke im Tiermodell.

Forscherinnen und Forscher des Zentrums für Hirnforschung der Med-Uni Wien zeigten, dass fettreiche Ernährung von Schwangeren im Gehirn des Fötus lebenslange Modifikationen induziert – zumindest bei den untersuchten Zell- und Mausmodellen. Das berichten sie in Molecular Psychiatry (18. 11). Grund dafür ist ein Übermaß an körpereigenen Endocannabinoiden, die mütterliche Organismen bei einer gesteigerten Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren produzieren und die den fetalen Organismus überfordern. Sie schränken die Entwicklung gesunder Hirnnetzwerke ein.

Daraus können psychische Krankheiten wie Schizophrenie oder Angststörungen resultieren. „Diese pathologische Modifikationen innerhalb der Epigenetik von Nervenzellen sind nicht einfach umzukehren“, erklärt Studienleiter Tibor Harkany. „Da hilft es nicht, nach der Geburt auf eine gesunde, fettarme Ernährung zu setzen, der Schaden ist bereits geschehen.“ Die Studie basiere zwar auf Tiermodellen im Labor, jedoch würden auch andere Studien bereits schädliche Effekte beim Menschen aufzeigen und somit Hinweise auf ähnliche Wirkungsmechanismen geben.

 

Drogenkonsum und Diabetes

In einer weiteren Studie am selben Zentrum konnte mit nationalen und internationalen Partnern gezeigt werden, dass schon der unregelmäßige Missbrauch von Psychostimulanzien während einer Schwangerschaft sowohl Schäden am Gehirn des Fötus als auch Entwicklungsstörungen in anderen Organen auslösen kann (The Embo Journal 21. 11.). So kommt es zu einer veränderten Entwicklung der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Das Ergebnis sind eine reduzierte Insulinproduktion und ein lebenslang gestörter Blutzuckerhaushalt. Die Studie beruht auf Beobachtungen im Menschen und wurde in Mausmodellen im Detail durchgeführt. (cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2019)