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Wie sich anatolische Bauern und mitteleuropäische Jäger vermischten

Idol von der Fundstelle in vier Ansichten
Idol von der Fundstelle in vier AnsichtenNHM Wien, Peter Stadler
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Forscher haben menschliche Überreste untersucht, die im ältesten bekannten Dorf Österreichs gefunden wurden.

Die Vermischung von Migranten und Einheimischen hat in Mitteleuropa Tradition: Schon im ältesten bekannten Dorf Österreichs beim heutigen Brunn am Gebirge (NÖ) lebte vor rund 7600 Jahren ein Mann, dessen Vater von aus dem Nahen Osten zugewanderten Bauern abstammte und dessen Mutter vom ansässigen Jäger-Sammlervolk war. Das berichten Forscher im Fachjournal "Scientific Reports".

Ein internationales Forschungsteam um Peter Stadler von der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien untersuchte die Überreste von vier Individuen, die in der Ausgrabungsstätte Flur Wolfholz in Brunn am Gebirge südlich von Wien gefunden wurden. Bei Ausgrabungen zwischen 1989 und 2005 wurden dort Funde der frühesten bäuerlichen Siedlung, die man in Mitteleuropa kennt, zu Tage befördert.

Das Alter von Brunn wurde auf 5670 bis 5050 v. Chr. bestimmt. Damals gab es eine Welle der Migration aus Anatolien (heute Türkei).

„Die lokale Jäger- und Sammler-Kultur verschwand allmählich"

"Siedler aus dem Nahen Osten kamen über Südosteuropa und brachten ihre bäuerliche Lebensweise in die mitteleuropäische Region, die zuvor nur sehr dünn besiedelt war", erklären die Forscher in einer Aussendung. Die lokale Jäger- und Sammler-Kultur verschwand allmählich. Die Menschen wurden sesshaft, bauten Einkorn und die Weizenart Emmer an, hielten Schafe, Ziegen und Rinder und betrieben Vorratswirtschaft.

Von drei der vier in Brunn am Gebirge vor tausenden Jahren bestatteten Menschen konnten die Forscher Erbgut (alte DNA) entschlüsseln. Es waren drei Männer. Einer von ihnen war von der Herkunft halb westasiatischer Bauer, halb mitteleuropäischer Jäger-Sammler. "Seine väterliche genetische Abstammung stimmte mit der Herkunft des Nahen Ostens überein, während seine mütterliche Abstammung für die Jäger und Sammler Europas charakteristisch war", schrieben die Forscher: Er war wohl Sohn einer Jäger-Sammler-Mutter und eines Bauernvaters, und zeugte somit von der frühen Vermischung der Ansässigen und Neuankömmlinge.

Strontium-Isotopen-Analysen seiner Überreste zeigten, dass er nicht immer in dieser Gegend (bei Brunn) gelebt hat. "Der Leichnam wurde außerdem mit sechs Radiolarit-Trapezen bestattet, einer Gesteinsart, die in der Gegend des Plattensees (Anm.: im heutigen Ungarn) abgebaut wurde - möglicherweise ist dort sein Geburtsort", meinen die Forscher.

Einer der beiden anderen Männer vereinte ebenfalls das Erbgut von Bauern und Jäger-Sammlern, allerdings nicht in so ausgeglichenem Maße. Der Dritte im Bunde stammte wohl ausschließlich von den Einwanderern, also anatolischen jungsteinzeitlichen Bauern, ab.

(APA/Red.)