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Investmentmarkt 2020

Das Jahr der Projektentwickler

Bei neuen Projekten steht Nachhaltigkeit ganz oben auf der Prioritätenliste potenzieller Investoren.
Bei neuen Projekten steht Nachhaltigkeit ganz oben auf der Prioritätenliste potenzieller Investoren.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das neue Jahr wird mehr Investoren nach Österreich bringen, gleichzeitig erweitert sich die Palette der Anlagemöglichkeiten. Und auch sonst ändert sich einiges.

Ein spannendes Jahr hat für Österreichs Immobilienwirtschaft begonnen, sowohl für die Investoren als auch für die Projektentwickler. Einerseits werden heimische Immobilien vor allem für Käufer aus Deutschland noch interessanter, andererseits tauchen neue Assetklassen auf oder werden bestehende erweitert. So sieht etwa Wealthcore Investment Management vor allem für deutsche Family Offices, aber auch für entsprechende Fonds ein solides und nachhaltiges Risiko-Rendite-Verhältnis in Österreich. „Die Immobilien sind nicht mehr günstig, wohl aber im Vergleich zu Deutschland“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Christoph Wendl.

Österreichs Städte haben 2020 gute Chancen, deutschen Investitionsstandorten den Rang abzulaufen.

Christoph Lendl, Wealthcore Investment Management

Obwohl der deutsche Markt im Volumen deutlich größer ist, sieht Wendl 2020 in Städten wie Linz, Graz oder Wien die attraktiveren Chancen bei Wohninvestments: „Österreichs Städte haben 2020 gute Chancen, deutschen Investitionsstandorten den Rang abzulaufen.“

 

Trend zum ökologischen Bauen

Silvia Wustinger-Renezeder, Geschäftsführerin beim Wohnbauträger 6B47, geht davon aus, dass Projektentwickler dadurch unter Zugzwang geraten. „Der Kapitalmarkt verlangt, dass man ,klimaaktiv‘ baut. 2020 wird das Jahr des ökologischen Bauens“, ist sie überzeugt. Bereits im abgelaufenen Jahr hat 6B47 drei Häuser verkauft, zwei davon an den „Nachhaltigen Immobilienfonds Österreich“ von Immo Solutions. Neben der ökologischen kommt dabei eine ökonomische Komponente ins Spiel: Wenn erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen, schlägt sich das positiv auf die Betriebskosten nieder. Während die Fonds eher Häuser mit kleinen Wohnungen erwerben, geht es bei den Eigennutzern in die andere Richtung. „Wir spüren verstärkt die Nachfrage nach größeren Einheiten, vor allem bei Familien“, berichtet Otto Kauf, Geschäftsführer beim Bauträger Flair.

2020 wird das Jahr des ökologischen Bauens.

Silvia Wustinger-Renezeder, 6B47

Auf den Bürobereich werden ebenfalls einige Veränderungen zukommen. „Das wird unter anderem die sogenannten Shared Offices betreffen“, ist Christian Wagner von Wagner & Partner überzeugt. Schon heute zählen die Coworking-Anbieter zu den großen Vermietern auf dem Wiener Büromarkt. Und Nachfrage und Angebot werden weiter wachsen. „Die Weiterentwicklung wird sich aber weniger an großen Namen aufhängen“, prognostiziert der Experte. „Diese Assetklasse hat auch in kleinerem Maßstab großes Potenzial.“ Weniger in den großen Städten, sondern eher an den Verkehrsachsen, die direkt an die Ballungsräume angebunden sind.

Co-Modelle werden auch beim Wohnen immer beliebter. Co-Living, eine neue Form der klassischen Wohngemeinschaft, ist für Michael Mitterdorfer, Geschäftsführer von Magan Advisors, einer der großen Trends. „Die Coworking-Anbieter werden in einem Haus auch Co-Living anbieten, daraus könnten sich sehr gute Synergien entwickeln.“

 

Stadtentwicklung 2.0

Ebenfalls steigende Nachfrage sehen die Experten bei betreutem Wohnen sowie Pflege- und Seniorenheimen. „Leider mangelt es weiterhin an entsprechenden Angeboten. Ich hätte einen Investor an der Hand, aber derzeit keine passenden Liegenschaften“, berichtet Christian Wagner. Das könnte sich in den kommenden Jahren ändern. „Das Thema Sozialimmobilien kann auch für Stadtentwicklungsgebiete interessant werden“, meint etwa Josef Herwei, Geschäftsführer der WSE, Wiener Standortentwicklung: „Wir denken bei unseren Projekten darüber nach.“ Eine Variante im Bereich des geförderten Wohnbaus wäre dabei eine mögliche Alternative: „Dafür wird man womöglich die Förderstrukturen entsprechend anpassen müssen.“

So wie sich grundsätzlich die Stadtentwicklung verändern werden. Für Herwei sind dabei drei Entwicklungen zentral: Da ist einmal die energetische Nachhaltigkeit, bei der das gesamte Stadtentwicklungsgebiet betrachtet und nicht nur die einzelnen Projekte zusammengefasst werden. Dann der Trend zum themenbezogenen Wohnen und schließlich stärkere Integrierung von Produktions- und Handelsflächen in das Stadtgebiet.

Auf einen Blick

Im Wohnimmobilienbereich werden Projektentwickler und Investoren verstärkt auf die Nachfrage nach größeren Wohnungen und Wohnformen wie Co-Living, einer modernen Form der Wohngemeinschaft, reagieren. Im Office-Bereich könnten kleinere Anbieter von Coworking-Konzepten abseits der Ballungsgebiete zum Zug kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2020)