Islamic Funeral Prayer Program Held For Muhammad Ali In Louisville
Mitreden

Viel Wirbel um ein Stück Stoff: Brauchen wir Kopftuchverbote?

Die Debatte über ein Kopftuchverbot an Schulen kocht wieder hoch. Während die einen einen Eingriff in die Religionsfreiheit und Diskriminierung sehen, sprechen andere von einem „Unterdrückungssymbol“. Diskutieren Sie mit!

Kreuz in der Klasse und Kopftuchverbot für Unter-14-Jährige? Integrationsministerin Susanne Raab sieht darin keinen keinen Widerspruch. Denn: „Das Kopftuch verhüllt die Weiblichkeit eines Mädchens in einer wichtigen Phase ihres Erwachsenwerdens.“ Es gehe darum, eine „frühen Sexualisierung des Kindes“ zu vermeiden. Querschreiberin Gudula Walterskirchen sieht das auch so. Die Religionsfreiheit sieht sie nicht gefährdet. Denn der Hijab für Mädchen sei ein „Unterdrückssymbol“ und habe nichts „mit rein religiösen Symbolen wie dem Kreuz zu tun", meint Walterskirchen.

Auf der Seite der Verbotsbefürworter stehen auch manche Schuldirektorern, wie Wilhelm Wunderer aus Wien: Mädchen würden durch ein Kopftuchverbot „in der Klasse ganz anders gesehen werden und sich leichter tun, in der Anerkennung und in ihrer Rolle hier“, sagt er. Andere Pädagogen meinten bei einem Rundruf von Bernadette Bayrhammer dagegen, dass sie kein Problem mit dem Kopftuch in der Klasse haben.

Solange muslimische Frauen als Putzfrauen angestellt waren, hatte niemand ein Problem damit.

Asma Aiad

Vor allem der Vorschlag von Integrationsministerin Raab, das Kopftuchverbot auf Lehrerinnen auszuweiten, sorgt für Diskussionen und Kritik. „Solange muslimische Frauen als Putzfrauen angestellt waren, hatte niemand ein Problem damit. Jetzt, wo sie Lehrerinnen und Richterinnen werden möchten und den Mund aufmachen, haben alle ein Problem damit“, sagt etwa die Aktivistin Asma Aiad im „Presse"-Gespräch Für eine „scheinheilige Debatte“ hält die Allgemeinmedizinerin und Vorsitzende der Initiative für ein diskriminierungsfreies Bildungswesen Sonia Zaafrani die aktuelle Diskussion zum Kopftuchverbot. Es sei bekannt, dass die Diskriminierung von muslimischen Schülern und Schülerinnen nicht auf das Kopftuch zurückgehe, sondern etwa auf den Namen.

Auf der Seite der Gegner eines Kopftuchverbots steht auch der Theologe Bernhard Lauxmann. In einem Gastkommentar schreibt er: „Wer das Kopftuch so verbietet, verordnet letztlich einen hochgradig ideologischen Habitus religiös-kultureller Unbeschriebenheit als staatsbürgerliches Ideal und forciert eine religionsbefreite Homogenisierung junger Menschen."

Der Soziologe Kenan Güngör kann einem Kopftuchverbot an Schulen - auch für Lehrerinnen - sehr wohl etwas abgewinnen. Er sagt im Interview mit Eva Wallisch: „Man darf Pädagogen zumuten, sich mit starken politischen und religiösen Symbolen zurückzuhalten.“ 

Übrigens: Ob ein Kopftuch für gläubige Musliminnen Pflicht ist oder nicht, da ist man sich in Österreich nicht einig. Die Islamische Glaubensgemeinschaft spricht zwar von Freiwilligkeit, eine Fatwa, also ein religiöses Gutachten, hört sich allerdings anders an, wie Erich Kocina berichtet.

(sk)

Diskutieren Sie mit: Was bringt ein Kopftuchverbot? Ist der Hijab ein Symbol der Unterdrückung? Dürfen religiöse Symbole in der Schule einen Platz haben? Und: Was verstehen Sie unter Religionsfreiheit?

Mehr erfahren