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Kommentar

Da kann Habeck noch was lernen

Grünen-Klubchefin Sigrid Maurer
APA/ROBERT JAEGER
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Die österreichischen Grünen sind im Regierungsgeschäft angekommen.

Spott, Häme und gespielte Enttäuschung, bei manchem wird sie vielleicht sogar echt sein: Das prasselt derzeit auf die Grünen nieder. Insbesondere auf Klubchefin Sigrid Maurer, die als Symbolfigur für die neue Angepasstheit ausgemacht wird. „Die Grünen machen nicht nur der ÖVP, sondern auch der FPÖ die Mauer – oder auch die Maurer, wenn man so will“, sagte etwa Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger.

Man kann die Einschränkung der Untersuchungsgegegenstände im kommenden U-Ausschuss zweifellos kritisch sehen, aber eines muss man Maurer lassen: Sie stellt sich hin und argumentiert das durch, als hätte sie nie etwas anderes getan, als Regierungspolitikerin zu sein.

Die Grünen sind in der Regierungsverantwortung angekommen. Sie tragen das mit und durch, was im Regierungsübereinkommen ausgemacht ist, auch die für sie heiklen Teile, lassen sich nicht auseinanderdividieren und halten die Kritik aus, gerade auch jene aus dem eigenen Biotop links der Mitte. Das schaut – Stand jetzt, man soll den Tag ja nicht vor dem Abend (bzw. Michel Reimon) loben – sehr verantwortungsbewusst und professionell aus. Linke Realos sozusagen.

Die österreichischen Grünen sind – offensichtlich – regierungsfähig. Da kann der deutsche Grünen-Chef, Robert Habeck, noch was lernen, sollte er jemals in die Nähe von Regierungsverantwortung kommen: Er machte in Davos einen auf Trump – und beflegelte in einem Handy-Video den Präsidenten der USA.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2020)