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Sicher allein über Stock und Stein

Die Claptic hilft nicht nur älteren Menschen im Notfall.
Die Claptic hilft nicht nur älteren Menschen im Notfall.
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Das Start-up Caregency hat die Smartwatch Claptic entwickelt, die im Notfall Hilfe ruft. Nicht nur ältere, allein lebende Menschen wissen die Uhr mittlerweile zu schätzen.

Die Menschheit wird zunehmend älter. Die Lebenserwartung steigt auch in Österreich kontinuierlich. 2018 lag sie bei 79,3 Jahren für Männer und 84 Jahre für Frauen. Bis 2080 soll die Lebenserwartung laut Experten um bis zu zehn Jahren ansteigen.

Ältere Menschen werden nicht nur älter, sie sind auch agiler. Sie reisen, machen Sport und wollen so lang wie möglich selbstbestimmt zuhause bleiben. Doch was, wenn ein Notfall eintritt und der nächste Verwandte Hunderte Kilometer entfernt wohnt?

Genau diese Sorgen brachte Michael Bindlechner und TG Gergely Teglasy zusammen; sie gründeten das Start-up Caregency, woraus die App b-cared entstand. Ein Notrufsystem für das Smartphone. Doch damit war es nicht getan. Man hat nun mal nicht immer sein Smartphone dabei, eine Uhr schon eher. Außerdem sei die Uhr nicht nur für ältere Menschen geeignet, sondern vielmehr auch für Sportler, die gern zu Fuß oder mit dem Rad in den Bergen unterwegs seien, erklärt Teglasy im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“.

Die digitale Reißleine. Die Smartwatch ist ein Android-Handy im Kleinformat. Von der SIM-Karte bis zu Apps ist alles an Bord. Was die Uhr von anderen Lösungen unterscheidet, ist nicht nur der Fallsensor, sondern die Rundumlösung, die mitgeliefert wird.

Die Claptic ist das digitale Back-up für Notfälle. Sie erkennt automatisch einen Sturz und kontaktiert die hinterlegten Notrufkontakte. Diese haben auf ihrem Smartphone die App installiert und werden darüber sofort benachrichtigt. Über die App kann dann telefonisch Kontakt aufgenommen werden, denn die Uhr hebt „selbst“ ab. Die Standortinformationen werden ebenfalls übermittelt.

Insgesamt gibt es vier Methoden, wie ein Notruf abgesetzt werden kann: Manuell über den SOS-Knopf an der Uhr, automatisch, wenn man zu lang inaktiv ist und die Uhr keine Bewegungen feststellt (Zeitraum wird selbst definiert), durch den eingebauten Sturzsensor oder durch Klatschen. Klopft man drei Mal auf den Boden oder klatscht in die Hände, wird automatisch Hilfe gerufen.

Wer keine Verwandten oder Freunde als Notfallkontakt hat, kann auch auf den Service der Caritas zurückgreifen. Dort sind alle für den Notfall nötigen Informationen wie Medikamentenunverträglichkeiten und Krankheiten gespeichert.

Im ersten Jahr ist dieses Service im Kaufpreis von 349 Euro enthalten. Danach werden für die weitere Nutzung der Sicherheitsfunktionen (Hilferufe nach dreimaligem Klatschen und Webservices) 4,90 € monatlich verrechnet. Die 24-Stunden-Anbindung an die Notrufzentrale der Caritas wird gegen eine Gebühr von 14,90 € pro Monat zur Verfügung gestellt. Aktuell gibt es eine Aktion beim Mobilfunker Drei, bei der man 50 Euro sparen kann.

Einrichten, dann allein durchstarten.Mit der Claptic am Handgelenk wird älteren Menschen Selbstvertrauen gegeben. Denn im Notfall ist immer jemand da, der helfen kann. Da es sich um eine voll funktionsfähige Android-Uhr handelt, können auch Medikamentenwecker gestellt und Arzttermine eingetragen werden. Im Idealfall richten Notfallkontakt und der Uhrenträger gemeinsam die Claptic ein. Der naturgemäß kleinere Bildschirm der Uhr könnte sonst abschreckend und kompliziert wirken. Das Urteil hat die Uhr aber nicht verdient, denn eingerichtet und startklar weiß die Claptic zu überzeugen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2020)