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"Digitaler Schnuller"

Von jedem dritten Kind kursieren schon vor Geburt Fotos im Internet

Der Erstkontakt mit digitalen Medien findet immer früher statt.imago images/Bildgehege
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Der Erstkontakt mit digitalen Medien findet in Österreich schon sehr früh statt. Noch bevor die Kinder auf der Welt sind, weiß die Online-Welt bereits Bescheid.

Sie blicken mit verkniffenen Augen in die Kamera, oder lächeln verträumt an die Decke. Der Stolz frischgebackener Eltern ist unbändig, das Verlangen die Freude mit der Welt zu teilen, sehr groß. Schon oft wird der Weg bis zur Geburt online dokumentiert. Einer Studie zufolge ist ein Drittel des österreichischen Nachwuchses schon vor der Geburt online zu finden. 30 Prozent der Eltern teilen laut einer aktuellen Untersuchung schon vor der Geburt Fotos bzw. Ultraschall-Bilder ihrer Sprösslinge. 72 Prozent der bis 6-Jährigen nutzen digitale Medien, ein Drittel mehrmals pro Woche.

37 Millionen Bilder und Videos von österreichischen Kindern bis sechs Jahren sind Schätzungen zufolge online. Anlässlich des 17. Safer Internet Day 17. am 11. Februar veröffentlichten Experten eine aktuelle Studie. Dabei wurde der Internet-Konsum der Allerjüngsten und der Umgang der Bezugspersonen umfassend beleuchtet. Wie sich zeigte, gibt es in Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren heute durchschnittlich vier bis fünf internetfähige Geräte.

81 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen nutzen internetfähige Devices zumindest gelegentlich. Zum Vergleich: 2013 waren es noch 41 Prozent. Die unter Sechsjährigen schauen fast drei Viertel (73 Prozent) Videos, 61 Prozent Fotos, 58 Prozent hören Musik und die Hälfte (51 Prozent) spielt.

Ungeeignete Kinderinhalte ein Problem

Immer öfter fungiert das Netz als "digitaler Schnuller": Durchschnittlich kommen Kinder im Alter von einem Jahr erstmals mit digitalen Medien in Kontakt. 72 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Sprössling sogar jünger war, als es zum ersten Mal ein internetfähiges Gerät verwendet hat. Für jeden zehnten Drei- bis Sechsjährigen ist Videoschauen vor dem Einschlafen unverzichtbar.

Die Hälfte nutzt das Gerät von Vater oder Mutter, 28 Prozent ein Familien-Gerät. 22 Prozent der Kinder unter sechs Jahren haben mittlerweile ein eigenes Gerät zur Verfügung. 44 Prozent der Eltern setzen auf zeitliche Beschränkungen, 42 Prozent limitieren den Zugang auf bestimmte Seiten und Apps. 57 Prozent gaben an, stets bei der Nutzung dabei zu sein. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) findet es schwierig, geeignete Inhalte ausfindig zu machen. 17 Prozent der Kinder wurden schon mit ungeeigneten Online-Inhalten konfrontiert.

Neun von zehn Elternteilen treffen konkrete Vorkehrungen, bevor die Kleinen internetfähige Geräte nutzen dürfen. Am häufigsten beschäftigen sich Kinder online via Tablet (32 Prozent ), Smartphone (30 Prozent ) und internetfähigem Fernseher (21 Prozent ). Kaum eine Rolle spielen Computer und Laptop spielen mit 4 Prozent. Ein Drittel der Kinder beschäftigt sich täglich mit einem internetfähigen Gerät. 46 Prozent der Eltern gaben an, dass ihr Nachwuchs dies mehrmals pro Woche tut. Im Vergleich zu 2013, als dis noch für noch 15 Prozent täglich und 30 Prozent mehrmals pro Woche zutraf, ist hier eine deutliche Steigerung in der Nutzungshäufigkeit zu beobachten.

Einstiegsalter liegt bei einem Jahr

400 Eltern von Kindern bis sechs Jahren waren im November 2019 telefonisch und online vom IFES im Rahmen der Studie "Die Allerjüngsten und digitale Medien" zur Mediennutzung ihrer Sprösslinge befragt worden. In Auftrag gegeben hatte dies das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA (Internet Service Providers Austria) im Rahmen der Initiative Saferinternet.at. Es zeigte sich unter anderem, dass der Nachwuchs immer früher mit digitalen Medien in Kontakt kommt. Das aktuelle Einstiegsalter für den Erstkontakt mit internetfähigen Geräten liegt dem zufolge bei einem Jahr.

Zu den damit verbundene Herausforderungen für Familien in Sachen digitale Mediennutzung zählt auch das Verhalten des Umfelds: 17 Prozent der Kinder beschweren sich, das die Erwachsenen zu viel Zeit mit digitalen Geräten verbringen würden. Drei Viertel sind sich ihrer Vorbildwirkung bewusst. Jeder fünfte Elternteil gestand ein schlechtes Gewissen ein, weil sie ihr Kind zu oft mit dem Internet still beschäftigen.

(APA/bagre)