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Kunstwerte

Next Generation

Um an neue und vor allem junge Käufer zu kommen, versuchen sich Auktionshäuser in Kooperationen mit Popstars und Streetware-Labels.

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Obwohl Kunst hip ist, mangelt es den traditionellen Unternehmen des Kunstmarkts, wie Messen und Auktionshäusern, an jungen Käufern. Besonders schwer haben es Sparten der älteren Kunst, wie Alte Meister oder Antiquitäten. So bemüht sich etwa die führende Messe für Kunst- und Antiquitäten, die Tefaf, seit Jahren darum, mehr zeitgenössische Aussteller zu gewinnen, und versucht sich in neuen Formaten, die die Antwort im Spartenmix suchen.

Mix mit Mode. Sotheby's wiederum setzt auf Kooperationen mit Celebrities, um mehr Interesse für die Alte Kunst zu generieren. Den ersten Versuch startete das Auktionshaus 2018 mit Victoria Beckham, Ex-Spice-Girl und heutige Modedesignerin, die mit Sotheby's in ihrem Flagshipstore im Londoner Mayfair eine Ausstellung von 16 Porträts zeigte, die das Auktionshaus dann im Rahmen einer Altmeisterauktion versteigerte. Laut Sotheby's waren mehr als 7000 Besucher bei der Pre-Sale-Ausstellung, doppelt so viele wie sonst. Heuer versuchte sich Sotheby's in einer Zusammenarbeit mit dem Streetwear Modemagazin Highsnobiety, das auch einen Onlineshop betreibt. Gemeinsam haben sie eine Modekollektion gelauncht, bei der auf schwarze und weiße Shirts und Hoodies Abbildungen von Gemälden aus den Altmeisterauktionen in New York gedruckt wurden. Auch Christie's versuchte es mit einer Streetwear-Kooperation und holte sich das Skateboard- und Modelabel Supreme als Partner, das drei Skateboards mit Damien-Hirst-Motiven gestaltete. Sie wurden für 5000 Dollar versteigert. Ob die Kooperation mit Streetwear-Labels tatsächlich jüngere Generationen in die Auktionshäuser bringt, ist fraglich.

Ein erfolgreicherer Ansatz scheint Christie's „100 Sale“ zu sein. Es handelt sich um eine Onlineauktion, die vom 28. Jänner bis 5. Februar lief, bei der die meisten Lose bei 100 Dollar starteten. Zudem haben die Experten Werke ausgesucht, die ihrer Meinung nach jugendtauglich sind, also bunt und in kleinen Formaten. Das Angebot reichte von Editionen von Yayoi Kusamas Kürbissen über Arbeiten von Street-Art-Star KAWS bis zu einem Wade-Guyton-Poster. Das Interesse an Onlineauktionen ist zuletzt stark gestiegen. Durchschnittlich liegen die Preise bei 20.000 Dollar, der höchste Preis der letzten Onlineauktion im Dezember war 162.500 Dollar für Thomas Downings Gemälde „Nine“. Christie's registrierte bei diesen Auktionen tausende Page Visits, doch die Besucher boten nicht mit. Um an diese Interessenten heranzukommen, wurde nun die Barriere auf 100 Dollar gesenkt. Der Erlös des „100 Sale“ lag immerhin bei knapp 350.000 Dollar.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2020)