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Operette

„Zigeuner“ gegen böse Obelixe

Stimmlich überfordert: Lucian Krasznec als Sándor Bárinkay mit dem Kinderchor.
Stimmlich überfordert: Lucian Krasznec als Sándor Bárinkay mit dem Kinderchor.(c) Barbara Pálffy/Volksoper Wien
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Der neue „Zigeunerbaron“ in der Volksoper ist atmosphärisch so dumpf, dass sogar Glitzer und Klimbim grau aussehen. Am Text hat ein Norddeutscher herumgedoktert.

Das einzig Gute dieser überflüssigen Neuproduktion ist das Plakat, das wochenlang in Wien zu sehen gewesen ist: Kurt Rydl im Ruderleiberl und mit Ferkel aus Pappmaché auf der Schulter. Ein vitaler Kerl aus Fleisch und Blut, eine Rampensau im allerbesten Sinn des Wortes, mit Charme und Schmäh – der Stoff, aus dem Operette eigentlich gemacht sein sollte. In der Volksoper hingegen wird die wienerischste Form der musiktheatralischen Unterhaltung aufgemotzt mit dramaturgischen Überlegungen, die zu rarer szenischer Plattheit und atmosphärischer Dumpfheit führen. Ein Norddeutscher hat am „Zigeunerbaron“ mit neuen Texten herumgedoktert – ein Pompfüneberer der Operette auf Staatskosten.

Es beginnt unselig bereits in der Ouvertüre. Sie wird unterbrochen, Vorhang auf: Da stehen die Zigeuner in Reih und Glied und singen den Chor „Habet acht. Dschingrah“, dann darf die Ouvertüre weitergehen. Inszenierte Vorspiele sind eine besondere Unart und Zeichen dafür, dass ein Regisseur der Musik nicht vertraut. Dass aber ein seriöser Musikant wie Dirigent Alfred Eschwé das toleriert, ist nur schwer nachzuvollziehen. Doch damit nicht genug des überflüssigen Beiwerks und Klimbims. Eine schräg aufgesetzte Rahmenhandlung auf einer Pawlatschenbühne (Conte Carnero, der ursprüngliche königliche Kommissär, darf auch den Theaterdirektor mimen) als fader und unbeholfener Versuch, die Zeitdifferenz zwischen den realen politischen Vorgängen und der Uraufführungsepoche von Strauß herauszunehmen.