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Analyse

Erster fossiler Pflanzengummi entdeckt

Forscherinnen sind auf den ersten fossilen Pflanzengummi gestoßen (Symbolbild).
Forscherinnen sind auf den ersten fossilen Pflanzengummi gestoßen (Symbolbild).(c) imago/blickwinkel
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Er überdauerte in 110 Mio. Jahre alten Blättern.

Forscherinnen sind auf den ersten fossilen Pflanzengummi gestoßen. Sie wiesen das bernsteinartige Material in 110 Millionen Jahre alten fossilen Blättern nach (Scientific Reports, 25. 2). Viele Pflanzen, etwa Nadelbäume, scheiden Harz ab, um „Verletzungen“ zu verschließen oder Schadinsekten abzuwehren. Es gibt aber auch Pflanzen, die Gummi absondern, etwa bestimmte Akazien-Bäume. Warum sie das tun, ist noch nicht völlig klar. Man weiß aber, dass die Gummis in die Speicherung von Nährstoffen involviert sind und der Pflanze strukturellen Halt geben.

 

Doch nicht Bernstein

„Wir dachten nicht, dass Pflanzengummi so lang überdauern kann“, sagt Leyla Jean Seyfullah von der Universität Wien, die als Spezialistin für fossile Pflanzen an der Studie beteiligt war. Ihre Kollegin Emily Roberts von der Universität Portsmouth (Großbritannien) beschäftigte sich mit fossilen Blättern aus dem Nordosten Brasiliens. Um herauszufinden, von welcher Pflanze die Blätter stammten, analysierte sie die dünnen, in die Blätter eingeschlossenen bernsteinfarbenen Bänder chemisch. Doch zu ihrer Überraschung lieferte die Infrarot-Spektroskopie kein bekanntes Bernstein-Spektrum.

Im Vergleich der Analyseergebnisse mit jenen heutiger Pflanzengummis zeigte sich eine verblüffende Ähnlichkeit. „Wir können keinen Unterschied zwischen modernem und fossilem Pflanzengummi feststellen“, sagt Seyfullah, die zu demselben Ergebnis kam. Bisher dachte man, dass wasserlösliche Pflanzengummis den komplexen Fossilisationsprozess nicht überstehen können. Die Forscherinnen gehen nun davon aus, dass es auch andere bernsteinfarbene Substanzen in fossilen Pflanzen gibt, die falsch interpretiert wurden. (APA/cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2020)