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Erde und Mond unterscheiden sich im Sauerstoff

(c) APA/AFP/LAURENT EMMANUEL
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Eine Isotopenanalyse rettet die Theorie, dass der Mond durch einen großen Einschlag entstanden sei.

Vor etwa 4,3 Milliarden Jahren, als die Erde erst 300 Millionen Jahre alt war und noch nichts auf ihr lebte, soll ein Himmelskörper von der Größe des Mars in sie eingeschlagen sein, den man nach der Himmelsgöttin Theia, der Tochter von Gaia und Uranos, nennt. Bei diesem gigantischen Zusammenstoß soll der Mond entstanden sein.

Diese „Giant Impact Hypothesis“ gilt seit den späten 1980er-Jahren als die plausibelste Erklärung für die Entstehung unseres Mondes, der ja ungewöhnlich groß ist. Doch es gibt Einwände gegen sie. Etwa den, dass die Isotopen-Zusammensetzung des Sauerstoffs – genauer: der Anteil des Isotops 17O – auf der Erde und auf dem Mond ganz gleich ist. Doch laut Impakt-Hypothese soll der Mond zum großen Teil aus Theia entstanden sein. Es sei unwahrscheinlich, dass diese genau dieselbe Isotopen-Zusammensetzung wie die Erde hat, sagen die Kritiker. Worauf die Anhänger der Theorie entgegnen, das Material von Theia und der Urerde könnte sich ja nach dem Impakt perfekt vermischt haben. Doch das wollen die Kritiker nicht glauben. Nun bringt eine Publikation von Forschern um Erick Cano (University of New Mexico, Albuquerque) in Nature Geoscience (10. 3.) einen Ausweg: Genaue Analysen von Proben unterschiedlicher Mondgesteine ergaben, dass die Isotopen-Zusammensetzung von der Art des Gesteins abhängt – wobei Proben aus tieferen Schichten des Mondmantels sich am meisten von der Erde unterscheiden. Sie stammen wohl von Theia. Die Vermischung hat offenbar stattgefunden, war aber nicht perfekt, meinen die Forscher. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2020)