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Schockwelle in der Supply-Chain von China nach Europa

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Derzeit geht eine wahre Schockwelle durch den Luftfrachtmarkt. 70 Prozent des Frachtangebotes ist verloren gegangen. Mit der „Iron Silk Road“ durch Sibirien ist eine Alternative zu Luft- und Seefracht dazugekommen

COVID-19 mit Zentrum Wuhan wurde in Europa kurz vor dem 25. Jänner zum ersten Mal ein Thema. Die innerchinesische Grenze wurde geschlossen und die Arbeiter kehrten nach ihren Urlauben nur langsam wieder zu den Fabriken zurück, diese mussten erst zur Produktion freigegeben werden. Weiters brauchte auch der überregionale LKW-Verkehr Zeit, um wieder reibungslos ins Laufen zu kommen. Der Handelskrieg zwischen China und den USA hatte bei vielen die Exportlager gefüllt. Von dort konnte jederzeit exportiert werden, was hauptsächlich per Seefracht passierte. Die Konjunktursättigung hatte sich schon seit einem Jahr am Weltmarkt gezeigt, in Form eines stärkeren Anstiegs der billigeren Seefracht gegenüber der wesentlich teureren, aber schnelleren Luftfracht.
 
„Iron Silk Road“ als weitere Variante
Ganz anders kommt es, wenn die Produktionskapazitäten überraschend zwei, drei oder mehrere Wochen in Rückstand kommen. Dann müssen viele als Seefracht geplante Sendungen schneller transportiert werden. Traditionell war das nur per Luftfracht oder Sea-Air-Varianten möglich. Heute ist mit der „Iron Silk Road“ via Sibirien eine weitere Variante dazugekommen, die in ihren Kapazitäten auch leichter kurzfristig erweiterbar ist als die mit vorhandenen Frachtflugzeugen begrenzte Luftfracht.
 
Reedereien haben daher außerplanmäßig Schiffe aus der Rotation genommen und konnten so den geringeren Bedarf abfedern. Die Luftfracht reagiert aber auf Marktschwankungen viel volatiler als die Seefracht. Die meisten Passagierflüge mussten eingestellt werden, 70 Prozent des Frachtangebotes ist verloren gegangen. Daher reicht die Tonnage der reinen Frachtflugzeuge nicht aus.
 
Schockwelle durch den Luftfrachtmarkt
Derzeit geht eine wahre Schockwelle durch den Luftfrachtmarkt. Nachholbedarf und dramatische Verringerung des Frachtraums treiben die Preise in schwindelnde Höhen. In der Auswirkung auf die Wirtschaft in Europa besteht kein Vergleich zu SARS (2003). Damals war die Supply-Chain noch lange nicht so stark global vernetzt wie heute! Viele Produkte können in dem einen Kontinent nicht ohne Bestandteile aus einem anderen Kontinent fertiggestellt werden. Diese Schockwelle wird ihr Echo finden, wenn in China Aufträge von in Übersee inzwischen geschlossenen Betrieben, etwa der europäischen Automobilindustrie, ausbleiben.
 
Platz und Frachtraten sichern
Prognosen und Empfehlungen erscheinen jetzt unseriös. Trotzdem: in Fortsetzung heutiger Wartezeiten und Preisanstiege erwartet der Luftfrachtmarkt einen Höhepunkt während des ganzen Monats April bis in den Mai hinein. Es erscheint ratsam, so früh wie möglich, Platz und Frachtraten zu sichern, auch die „Iron Silk Road“ durch Sibirien als Alternative zu Luft- und Seefracht in Betracht zu ziehen.


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