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Logistik: „Iron Silk Road“ – der dritte Weg von China nach Europa

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Unberechenbare COVID-19-Schockwellen zwischen Angebot und Nachfrage im Handel machen jetzt die „Iron Silk Road“ zwischen China und Europa attraktiv. Die transsibirische Zugroute ist nicht mehr Notnagel, sondern geplanter Teil der Supply Chain geworden.

Die chinesische Führung hatte ihren politischen Willen schon 2012 mit dem Schlagwort „One Belt – One Road“ klargelegt. Sie werde die Verkehrswege zwischen China und Europa ausbauen, diversifizieren, sicherstellen und teilweise auch kontrollieren. Eine Wiederbelebung der transsibirischen Bahnroute war ein Kernthema, aber bei Weitem nicht das einzige. Wer so exportorientiert ist wie China, kann sich keine Störung der Handelsrouten leisten und will bei Problemen flexibel ausweichen können. Der Seeweg durch den Suez-Kanal, über den circa 96 Prozent der Handelstonnage mit der EU laufen, ist verwundbar. Industriekonzepte und E-Commerce brauchen eine immer kürzer werdende Supply Chain. Nach Zentral- und Osteuropa sind die Seewege lang und die Bahnroute dorthin – besonders von Nordchina und den küstenfernen Provinzen – ist sehr attraktiv. Ein Handelskonflikt mit den USA war abzusehen und Europa ist weniger protektionistisch und politisch diverser als die USA, also auch der bessere Markt.
 
Eisenbahnnetz mit einem mächtigen Sponsor
Die militärische Großmacht Russland und in seinem Gefolge die ebenso rohstoffreichen Länder Kasachstan und Weißrussland fanden mit dem export- und devisenstarken China zu einer sehr stabilen Interessensgemeinschaft
zusammen. Das zigtausend Kilometer lange Eisenbahnnetz Sibiriens hatte damit einen mächtigen Sponsor gefunden. Man munkelte, dass die Förderung anfangs mehr als die Hälfte der Vollkosten der Transporte überstieg, mittlerweile
wurde sie aber zurückgefahren.
 
Aufpassen auf das sibirische Klima
Auf gewisse Aspekte muss man aufpassen. Nicht jedes Produkt verträgt das sibirische Klima, vor allem den kalten Winter – im Sommer kann es hingegen in den Containern sehr heiß werden. Mit für europäische Verhältnisse exorbitanten Rangierstößen der Eisenbahnen muss auch gerechnet werden. Das Wachstum des Verkehrsvolumens kann zu Rückstau in den Umschlagsterminals zwischen Breitspur und europäischer Spurbreite führen. Umschlaganlagen werden aber laufend ausgebaut.
 
„Iron Silk Road“ als Teil der Supply Chain
Anfangs war die transsibirische Route vor allem ein Konkurrent der Luftfracht, entweder für Großsendungen oder als schnellere Lösung, wenn sich Sendungen in der Peak Season rückstauten. Auch als Alternative für Seefracht wurde sie gerne genutzt, wenn aufgrund von Produktionsrückstaus die notwendige Ankunftszeit nicht mehr geschafft werden konnte. Das so stark gewachsene Volumen und die gestiegene Zuverlässigkeit haben bewirkt, dass die „Iron Silk Road“ heute überwiegend für schon von Anfang an so kalkulierte Sendungen genutzt wird. Sie ist nicht mehr Notnagel, sondern geplanter Teil der Supply Chain geworden.


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