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Der Corona-Riechtest

(c) Getty Images/iStockphoto (Bertrand Blay)
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Wenn man auf einmal nichts mehr riechen kann, könnte das ein erster Hinweis auf eine Covid-19-Infektion sein. ForscherInnen der Danube Private University in Krems entwickeln nun einen Corona-Riechtest.

Zu wenige und zu ungenaue Tests – darum drehen sich viele Schlagzeilen während der andauernden Corona-Pandemie. ForscherInnen weltweit sind bemüht, neue Schleimhaut- und Blut-Tests zu entwickeln. MedizinerInnen und WissenschafterInnen der Danube Private University (DPU) in Niederösterreich beschreiten einen anderen Weg: Sie spüren einem der wichtigsten Symptome einer Covid-19-Infektion nach, dem Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. So klagte beispielsweise eine Wiener Stadträtin, die an Covid-19 erkrankt war, erst unlängst in einem Fernsehinterview selbst nach ihrer Genesung noch immer über mangelndes Riechvermögen.

Wichtiges Zeitfenster, um Krankheit zu erkennen

Eine Mehrzahl der Infizierten schildert, dass sie noch vor dem Auftreten erster Krankheitsanzeichen – wie trockenem Husten und hohem Fieber – nichts mehr riechen und schmecken können. Genau da setzen die DPU-Professoren Dr. Christoph Kleber und Dr. Ralf Braun an. Gemeinsam mit Prof. Dr. Achim Walter Hassel, einem Kollegen der Johannes Kepler Universität Linz, und Prof. Dr. Wolfgang Knoll vom AIT (Austrian Institute of Technology) soll ein Riechtest entwickelt werden, der bereits vor dem Auftreten der klassischen Corona-Symptome auf eine Infektion hinweist.

"Wir sind überzeugt, dass diese Tage ein wichtiges Zeitfenster darstellen, um die Krankheit früher als bislang zu erkennen und potentielle symptomfreie Patienten selektiv zu isolieren und auf das Virus zu testen", umreißt Prof. Hassel das Projekt, das von der Wissenschaftsabteilung des Landes Niederösterreich unterstützt wird.

Den "richtigen" Geruch finden

Pfefferminze, Orange und Kaffee – das sind Gerüche, die jeweils für eine bestimmte Gruppe chemischer Stoffe stehen, die die Rezeptoren in der Riechschleimhaut in der oberen Nasenhöhle stimulieren. Erforscht wird nun, wie intensiv der Geruch sein muss, damit er noch wahrgenommen wird. Der Zusammenhang zu einer Covid-19-Infektion: Es gibt Hinweise darauf, dass es zu einer Schädigung der Nervenzellen in der Nase kommt und das Riechen drastisch eingeschränkt ist oder gar nichts mehr erkannt wird. Menschen mit Störungen des Geruchssinns könnten so rechtzeitig isoliert und gründlich auf eine Infektion getestet werden. "Das frühzeitige Herausfiltern von präsymptomatischen Patienten hat sicherlich großes Potential Leben zu retten", ist Prof. Kleber überzeugt.

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Das Infektionspotential des Virus reduzieren

150 Probanden – darunter befanden sich gesunde Personen, solche mit Erkältungen und positiv auf Covid-19 getestete – wurden in einer ersten Studie Riechtests unterzogen. Sie mussten anhand von Duftstäbchen bestimmte Gerüche erkennen. Nach dieser ersten Studienphase – die Ergebnisse werden in diesen Tagen erwartet – soll bereits demnächst eine weitere, noch genauere Untersuchung folgen. "Mit Hilfe der Resultate ist es möglich, Tests zu entwickeln und damit das Infektionspotential des Virus schon in naher Zukunft zu reduzieren", so Robert Wagner, Direktor Wissenschaftliche Koordination und Management an der DPU.

Das Ziel ist es, Schnelltests zu entwickeln, die günstig in der Herstellung und einfach in der Anwendung sind – und damit großflächig niedergelassenen ÄrztInnen zur Verfügung gestellt werden können. "Wichtig ist es jetzt, möglichst schnell Ergebnisse zu bekommen, um bei einer eventuellen zweiten Erkrankungswelle einfach und zügig testen zu können", unterstreicht Christoph Kleber, Professor für Chemie an der DPU.