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Wie ausgerechnet Amazon die Luxusmode retten soll

Jeff Bezos und Anna Wintour saßen bei der Fashion Week bereits zusammen in der ersten Reihe.
Jeff Bezos und Anna Wintour saßen bei der Fashion Week bereits zusammen in der ersten Reihe.(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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Amazon und Luxusmode, das waren bisher sehr gegensätzliche Akteure. Doch im Zuge der Corona-Krise kommen sie sich näher, dank Anna Wintour und "Vogue".

Die Modeindustrie ist wie so viele andere Wirtschaftsbereiche in der Krise, auch im Bereich der Luxusmode ist der Ausblick in den USA nicht gerade rosig. Schon vor der Corona-Pandemie schlossen Kaufhäuser wie Barneys, im Zuge der Krise pausierten selbst Onlineshops wie Net-a-Porter die Bestellungen und die Lager quellen von produzierten, aber nicht verkauften Bestellungen, über.

Um der Luxusmode auf die Füße zu helfen, soll nun ausgerechnet Amazon einspringen. Den Deal eingefädelt hat dabei Anna Wintour, Chefredakteurin der US-"Vogue" und der US-amerikanische Moderat, der Council of Fashion Designers of America.

Der E-Commerce-Riese Amazon bietet unter dem Titel "Common Threads: Vogue x Amazon Fashion" den Designern nun eine digitale Bühne, durch die große Reichweite von Amazon sollen Umsatzeinbußen abgefedert werden. 20 unabhängige Designer, darunter 3.1 Phillip Lim, Edie Parker und Brock Collelction, werden ihre Stücke über Amazon anbieten.

In der "New York Times" kommt Anna Wintour zu Wort: "Ich freue mich wahnsinnig, diese Partnerschaft zu verkünden und möchte Amazon Fashion nicht nur für die großzügige Unterstützung von 'A Common Thread! danken, sondern auch dafür, dass das Unternehmen so schnell Ressourcen zur Verfügung stellte, um von der Pandemie betroffenen amerikanischen Designern zu helfen."

Dabei kam Amazon in der Vergangenheit bei den Entscheidungsträgern im Luxusmodesegment alles andere als gut weg. "Wir glauben, dass Amazon mit seinem bestehenden Business nicht zu unserem Luxus passt. Punkt. Und es passt auch nicht zu unseren Brands. Wenn sie das Business-Modell ändern, vielleicht, aber mit dem bestehenden Business-Modell gibt es keine Möglichkeit, mit ihnen ins Geschäft zu kommen", sagte LVMH-Finanzchef Jean-Jacques Guiony noch 2016, wie die „New York Times“ weiter schreibt.

In der Krise folgt nun das - möglicherweise unfreiwillige - umdenken. Immerhin ist die Reichweite und auch die Logistik von Amazon unschlagbar. Die Designer können im Zuge der Initiative selbst entscheiden, welche Produkte sie zu welchem Preis über Amazon anbieten und auch, ob den Versand Amazon übernimmt oder sie selbst. Amazon lässt außerdem die übliche Marktplatzprovision wegfallen. Ein netter Zug des Onlineriesen, zumal außerdem noch 500.000 Dollar für den „A Common Thread"-Modefonds, der in Not geratene Designer unterstützt, gespendet wurde.

Zum einen gute Publicity für Amazon, zum anderen auch eine Möglichkeit, endlich im Bereich er High Fashion Fuß zu fassen. Das hatte Bezos bereits früher versucht, etwa mit unterschiedlichen Verkaufsplattformen. Wirklich erfolgreich war er damit noch nicht. Und erst im Jänner 2020 berichtete der Branchendienst „WWD", das Amazon eine neue Luxusmodeplattform ins Leben rufen will.

Die Karten sind jetzt wohl neu gemischt. Doch muss sich erst zeigen, ob Luxusmode-Kunden diese wirklich über Amazon kaufen möchten, wo Multipackungen an Männersweatshirts oder Crocs zu den erfolgreichsten Produkten zählen.

>>> „New York Times“ 

>>> WWD

(chrile)