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Morgenglosse

Und wann verspricht endlich jemand die langsame bürokratische Hilfe?

Andrea Mayer hat es am ersten Tag gesagt
Andrea Mayer hat es am ersten Tag gesagtAPA/ROLAND SCHLAGER
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Ein politischer Stehsatz begleitet uns durch die Krise.

Auch die neue Kulturstaatssekretärin hat es gleich zum Amtsantritt getan: „Rasche und unbürokratische Hilfe“ verspricht Andrea Mayer den Kulturschaffenden. Wie schon viele Regierungskollegen in der Krise vor ihr jeweils ihrer Klientel. Doch meistens kommt dann das Geld trotzdem erst viele sich ändernde Formulare später an.

Obwohl gut gemeint, ist an diesem politischen Stehsatz so ziemlich alles falsch. Erstens handelt es sich nicht um Hilfe im Wortsinn, sondern um gesetzlich zustehende geldwerte Leistungen und Ansprüche. Hilfe dagegen erfolgt freiwillig und der Empfänger ist auf den Goodwill des Helfers angewiesen.

Zweitens impliziert der Satz, dass die zuständigen Minister wissen, im Normalfall prägt das Hinauszögern an der Grenze zur Schikane die Erfahrungswelt der Bürgerinnen und Bürger, wenn sie Geld vom Staat erwarten. Wie etwa Familienbeihilfen, die Berechtigte immer und immer wieder kompliziert beantragen müssen, obwohl dem Staat alle Daten ohnehin vorliegen. Das Kalkül ist eindeutig: Was nicht beantragt wird, bleibt in der Kasse. Drittens desavouiert der Satz im Vorbeigehen auch noch die Bürokratie, die in Österreich im Großen und Ganzen recht ordentlich funktioniert, weil die oben geschilderten Verzögerungen sind ja politisch gewollt. Also bitte künftig berechtigte Ansprüche einfach erfüllen. Und zwar in angemessener Frist. Auch ruhig bürokratisch. Man will ja schließlich wissen, warum man etwas bekommen hat.