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Fürsten der Finsternis

Die britische Presse bläst zum Halali auf Dominic Cummings, das sinistre Mastermind in der Downing Street. Er mag sich trösten - denn er wird irgendwann als Baron im Adelsstand enden.

Wann hat es das zuletzt gegeben? Eine Pressekonferenz im Rosengarten von 10 Downing Street, wie bei den großen Brüdern in 1600 Pennsylvania Avenue im Weißen Haus in Washington, wo das Zeremoniell im Rosengarten fast an der Tagesordnung steht. Schon klar: Der Londoner Hinterhofgarten nimmt sich kümmerlich aus, nichts desto weniger charmant – und er ist nur zwischen Regenpausen von Mai bis August für öffentliche Anlässe geeignet.

Jedenfalls wagte sich Dominic Cummings, das sinistre Mastermind von Boris Johnson, zur Selbstverteidigung hemdsärmelig aus dem Schatten der Macht, während sein Chef im Park der Queen joggte. Der Boulevard tituliert ihn blumig – und stachlig wie eine Rose – „Prince of Darkness“. Ohne Adel – und ohne Shakespeare – geht's im Königreich nicht, und sei es als Fürst der Finsternis. Jeder Premier hat einen Mann fürs Grobe und Strippenzieher: Maggie Thatcher hatte Norman Tebbit, Tony Blair die Spin Doctors Peter Mandelson und Alastair Campbell.

Die Presse roch Blut und blies zur Treibjagd, zum Halali auf Cummings. Nicht, dass er ein Kind von Traurigkeit wäre. Im Gegenteil: Er versteht sich darauf, auszuteilen. Wenn das Gemetzel vorbei ist, die Wunden geleckt und Jahre ins Land gezogen sind, enden die Dunkelmänner und finsteren Fürsten, von der Queen in den Adelsstand erhoben, übrigens als Barone. After all, it's Britain