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Pensionen

Die Babyboomer danken ab

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Das österreichische Pensionssystem landet in einer aktuellen Studie nur im Mittelfeld.

Die Bevölkerung altert und das schlägt immer stärker auf die staatlichen Pensionssysteme durch. Die „Babyboomer“, die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre, verabschieden sich aus dem Erwerbsleben. Die Zahl der potenziellen Beitragszahler schrumpft, die Lebenserwartung steigt. „Nur wenige Länder haben ihre Pensionssysteme auf diesen demografischen Wandel eingestellt – Österreich zählt nicht dazu“, heißt es im aktuellen Pensionsreport der Allianz.

Konkret sehen die Zahlen so aus: In den kommenden drei Jahrzehnten steigt der Anteil der über 65-Jährigen an der Erwerbsbevölkerung in Österreich auf mehr als 50 Prozent. Im Jahr 1950 konnte ein 65 Jahre alter Mann in Europa damit rechnen, bis zu seinem Tod 12,5 Jahre im Ruhestand zu verbringen. Heute sind es schon 17,6 Jahre. Bis zum Jahr 2050 steigt die Zahl auf 20,8 Jahre, heißt es in dem Bericht. Einige Länder, darunter die Niederlande, koppeln Pensionsalter oder Pensionsleistungen an die Lebenserwartung. Diese Länder hätten ein nachhaltigeres Pensionssystem als solche Länder, in denen die Erhöhung des Pensionsalters ein politisches Tabu darstellt, heißt es in dem Bericht.

Regierung plant keine Reform

Auch in Österreich ist keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters vorgesehen, auch wenn Experten das regelmäßig einfordern. „Wir brauchen keine grundlegende Neuausrichtung“, heißt es im türkis-grünen Regierungsprogramm zum Pensionssystem. Mit Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten soll das tatsächliche an das gesetzliche Pensionsantrittsalter herangeführt werden. Ab 2024 wird das Pensionsalter der Frauen schrittweise von 60 auf 65 Jahre erhöht und an das der Männer angeglichen. Darüber hinaus sind keine einschneidenden Änderungen geplant. Im Jahr 2018 gingen Männer mit durchschnittlich 61,3 Jahren in Pension und Frauen mit 59,3 Jahren, so die Zahlen der Pensionsversicherungsanstalt (ohne Beamte). Das war ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2017.

Der Allianz-Bericht hat auch die Angemessenheit der Pensionssysteme untersucht. Gemeint ist, ob das System einen angemessenen Lebensstandard im Alter sicherstellt. Fazit: Österreich lege, wie eine Reihe anderer Länder, größeres Gewicht auf den Wohlstand der heutigen Generation als auf jenen zukünftiger Pensionisten. Daher landet Österreich beim Thema Angemessenheit auf Platz zehn weltweit. Über alle Faktoren hinweg betrachtet landet Österreich auf Rang 34 von 70 untersuchten Ländern. An der Spitze stehen Schweden, Belgien und Dänemark. Ein relativ niedriges Pensionsalter und die Nichtberücksichtigung des bevorstehenden demografischen Wandels hebt der Bericht als die großen Schwachpunkte des heimischen Pensionssystems hervor.

Experten fordern Änderungen

Der österreichische Pensionsexperte Bernd Marin hat errechnet, dass bis zum Jahr 2034 Erwerbstätige eine Million Pensionisten zusätzlich alimentieren müssen. Er erwartet, dass Österreich die Nachbeben der aktuellen Pensionierungswelle noch bis ins Jahr 2070 spüren wird. Um dem entgegenzuwirken, solle das Pensionsantrittsalter jedes Jahr um ein bis zwei Monate steigen.  (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2020)