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Interview

Über die hohe Kunst des Nettseins

Aufgesetztes Lächeln: Corona verlangt der Gesellschaft viel ab.
Aufgesetztes Lächeln: Corona verlangt der Gesellschaft viel ab.(c) APA/AFP/LOIC VENANCE
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Warum fällt der respektvolle Umgang mit anderen oft so schwer? Und wie gelingt ein würdevolles Miteinander? Autorin Anja Niekerken über den inneren Bösewicht, der in uns allen steckt, und wie es gelingt, ihn in Zaum zu halten.

„Die Presse": Ihr Buch heißt "Die Kunst, kein Arschloch zu sein" - wäre die Welt ohne sie nicht furchtbar langweilig?

Anja Niekerken: Gute Frage. In der Regel ist ja nichts ohne sein Gegenteil wahr. Auf der anderen Seite sind wir ja auch nicht böse, wenn wir uns mal eine Weile über nichts und niemanden ärgern. Dann sagt ja auch niemand: „Ach wie blöd, jetzt ärgere ich mich seit Wochen über nichts.“

Fällt Ihnen während der Krise verstärkt asoziales Verhalten auf?

Am Anfang der Krise war ich wirklich erstaunt, wie auf einmal um Klopapier gekämpft und Desinfektionsmittel geklaut wurde. Ja, Krisen verstärken asoziales Verhalten, allerdings verstärken sie genauso soziales Verhalten. Das kommt darauf an, wie sicher und stabil eine Persönlichkeit ist, und wie sie gelernt hat, mit unsicheren Situationen umzugehen.

Was zeichnet denn einen "guten Menschen“ aus?

Meiner Ansicht nach zeichnet gute Menschen aus, dass sie andere Menschen so behandeln, wie sie behandelt werden wollen. Und die Übernahme von Verantwortung für das eigene Tun und Lassen, ohne Ausreden. Auch wenn das häufig unbequem ist.

Und wer ist - um mich Ihrer Worte zu bedienen - für Sie ein „Arschloch"?