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Morgenglosse

Die Brüsseler Ritter von der Kokosnuss

Othmar Karas
Othmar KarasAPA/Vertretung der Europ. Kommission
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Der ÖVP-Europamandatar Karas wünscht sich eine „Ehrenlegion“, große Verdienstkreuze und Ritterorden für „Verdienste um die EU“. Ein Vorhaben, das Wasser auf die Mühlen der Gegner der Union ist.

Othmar Karas, langjähriger Europaabgeordneter der ÖVP und als solcher seit Beginn dieser Legislaturperiode einer seiner 14 Vizepräsidenten, hatte wieder einmal einen Einfall. Die Europäische Union solle, so schlug es Karas dieser Tage einer Arbeitsgruppe des Parlaments vor, eine Reihe von Auszeichnungen und Orden für „Verdienste um die EU“ schaffen. Dazu sollten, berichtet das Online-Magazin „EUobserver“, eine „Ehrenlegion“ und ein „großes Verdienstkreuz“ zählen, für welches gegenwärtige und frühere Präsidenten der europäischen Institutionen in Frage kämen, sowie Staats- und Regierungschefs sowie Träger des Sacharow-Preises für Meinungsfreiheit, weiters ein „Großoffizier“ für 15 Jahre Dienst am Einigungswerk (da käme prinzipiell jeder in Frage, der lange genug in der Brüsseler EU-Blase tätig gewesen ist), „Kommandanten“ für zehnjährige Dienste, „Offiziere“ für drei Jahre und „Ritter“ für mindestens sechs Monate: für letzteren Titel käme praktisch jeder in Frage, der irgendetwas mit der EU zu tun hat.

Nur böse Zungen würden behaupten, der an Auszeichnungen und öffentlichen Würdigungen seines Tuns nicht völlig desinteressierte Karas spitze selber darauf, seine im dritten Jahrzehnt befindliche und somit wohl in den karrieremäßigen Spätherbst einbiegende Laufbahn als Europaabgeordneter mit einem dieser Titel zu umkränzen. Weit gefehlt! „Weil ich gegen die Nationalisierung europäischer Politik bin, habe ich die Idee eines Ordens in Anerkennung und Dankbarkeit für Dienste zur Förderung der europäischen Werte und Ziele lanciert“, ließ Karas dem EU-Observer schriftlich mitteilen. Niemand sei ausgeschlossen, es gehe nicht um Ämter, sondern um Verdienste.

Die europäischen Werte und Ziele: was sind die eigentlich genau? Darüber lässt sich ohne Ende debattieren, und man darf sich schon lebhaft ausmalen, welche Polemiken diverse Kandidaten für diese Auszeichnungen entfachen würden, sollten sie beschlossen werden. Im Parlament ist man, gelinde gesagt, nicht besonders erfreut über Karas' Vorstoß. „Es wäre ein großer Fehler, wenn das beschlossen würde“, warnte die finnische Grüne Heidi Hautala. „Das wäre Öl auf die Flammen jener, die die Legitimität der EU in Frage stellen.“ Vielleicht könnte Karas, seines Zeichens für „öffentliche Kommunikation, Presse und Bürgerbeziehungen“ zuständig, seinen Erfindungsgeist auf Fragen lenken, welche sowohl den Interessen seiner Wähler als auch dem Ansehen des Parlaments dienlicher wären: volle Transparenz der Spesen der Abgeordneten zum Beispiel. Oder jenes Initiativrecht des Parlaments für Verordnungen und Richtlinien der EU, welches das Parlament vor seiner Zustimmung zu Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin laut von ihr gefordert hatte - von dem man seither aber nichts mehr gehört hat.