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Morgenglosse

Die Wiener, die ich rief

Die Sommerbuchungslage könnte zwar besser sein, aber nicht in der ersten Reihe. Die schönsten Flecken sind längst vergeben.

Wie schön Österreich ist, war einem auch bisher schon bewusst, aber so eindringlich ist man bisher noch nie eingeladen worden, seinen Urlaub daheim zu verbringen. Wobei so viel Werbung gar nicht nötig gewesen wäre: Die Lust, ins Ausland zu reisen, ist nach den vergangenen Monaten ohnehin kaum vorhanden. Die Bevölkerung strömt in die Berge, an die Seen, auf Wanderwege und Campingplätze. 

Die Tages- und Wochenendausflügler bringen manche Orte allerdings bereits jetzt an ihre Grenzen: Geheimtipps haben sich rasch herumgesprochen und Kapazitäten sind begrenzt, etwa im Salzkammergut. Mehr Zimmer gibt es nicht, mehr Parkplätze auch nicht, und zwischen Gmunden und Ebensee gibt es eben nur eine Straße, und auf der steht man.

Wer noch nicht für den Sommer gebucht hat, hat die schönsten Lagen schon versäumt. Ein Appartement am See? Hoffnungslos. Dann vielleicht ein Besuch im Schwimmbad am See? Möglich, wenn man eine Saisonkarte hat, die an etlichen Orten nur Einheimischen zugänglich war. Sonst heißt es an heißen Tagen ab dem frühen Nachmittag: leider voll. Bleiben noch die öffentlichen Seezugänge, aber davon gibt es beschämend wenige und genau dort fühlt sich die Bevölkerung von den Besuchern schlichtweg überrollt. Was die chinesischen Touristen in Hallstatt waren, sind nun Wiener Kitesurfer in Ebensee: Es gibt zu viele davon.

Dazu kommt: Der österreichische Gast reist anders, konsumiert anders, erwartet anderes. Er kauft keine Souvenirs, er beschwert sich über die im Vergleich zum Vorjahr teils stark gestiegenen Preise. Vor allem aber reist er gerne mit dem eigenen PKW an, ärgert sich über die (natürlich auch von ihm verursachten) Staus und dass er weit und breit keinen Parkplatz findet. Natürlich werden Autos mit Wiener Kennzeichen nicht eher abgeschleppt als andere. Auch wenn es sich vielleicht so anfühlt.

Der Traunstein darf nicht der Cobenzl werden, das ist schon klar, aber wer die Wiener ruft, muss dann auch (kurz) mit ihnen leben. Nur für die Aussicht lässt sich auch der Städter nicht an der Nase herumführen.