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Little Britain

Von der Insel könnte man für unseren U-Ausschuss einiges lernen.

Erleichterung bei den Neos: Laut den Parlamentsstenografen hat Stephanie Krisper im U-Ausschuss nicht die Verfahrensrichterin beleidigt, sondern jeden. „Geh'n mir am Oasch, alle“, ist auf dem Tonband zu hören. Damit steht Krisper in der Tradition von Anton Benya, der als SPÖ-Nationalratspräsident 1980 vom Podest aus alle wissen ließ: „Halts die Goschen da unten!“ Auch Benya glaubte, dass das Mikrofon aus ist. Oder dass er gerade auf dem Rapid-Platz sitzt.

Die Queen würde sich nie so ausdrücken, wenngleich sie schon wieder not amused sein soll. Über alle, die Klopapier rund um ihr schottisches Schloss Balmoral liegen lassen. In Großbritannien sind Ausflüge wieder erlaubt, aber öffentliche WCs bleiben wegen der Pandemie zu. Das geht vielen Briten auch irgendwohin. Die Queen hat hingegen den Vorteil, dass sie immer weiß, wo ihr Thron steht.

Vor einen U-Ausschuss muss sie auch nicht. So wird man nie erfahren, ob sie einen Laptop hat und als Betriebssystem Windsors 10 nutzt. Vielleicht sollte aber ein Brite unseren U-Ausschuss leiten, um die Sitten zu verbessern. Ein Butler hilft Abgeordneten, Fragen freundlich zu servieren. Alle Auskunftspersonen bekommen um fünf Uhr Tee, denn der soll Gedächtnisverlust vorbeugen. Die ÖVP stimmte der Idee überraschend zu und nominierte bereits den neuen Vorsitzenden: Sir Wolf Gang from Waidcourt at the Ybbs.


[QKHJR]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2020)