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Fahrbericht

Peugeot 2008: Zum Lenken die Hände in den Schoß legen

Stolz aufragend: Der 2008 trägt das neue Selbstbewusstsein der Marke im Ausdruck.(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Staunen über Peugeots eigenwilliges Cockpit an Bord des neuen 2008 – und über ein Mäusekino mit 3-D-Effekt.

Wien. Nun hat das Baby einen Namen: Stellantis. Es ist wahrlich ein Riesenbaby, das so heißt, entstanden aus dem Zusammenschluss der Konzerne PSA (unter anderem Peugeot, Citroën, Opel) und FCA (Fiat, Chrysler, Jeep und andere) zur künftigen Nummer vier der weltweit größten Autohersteller.

Über das Zusammenkommen und die ersten Schritte unter schwierigsten Bedingungen in eine hoffentlich glückliche Zukunft – wohl nicht für alle Beteiligten – wacht ein Mann, der als Spezialist für schwierige Fälle gilt: Carlos Tavares. Man muss nur zurückblenden ins Jahr 2014, als der gebürtige Portugiese den Chefsessel bei PSA übernahm: Da verlor die französische Gruppe mit jedem einzelnen Auto, das die Werkshallen verließ, ein paar Hundert Euro, statt sie zu verdienen. Nur staatliche Beteiligung verhinderte eine Pleite.

Dass Tavares die Geschicke drehen konnte, nebenbei auch noch den Neuerwerb Opel in die Gewinnzone brachte, mag an vielen Dingen liegen, nicht umsonst nennt man den durchaus auch gefürchteten Boss „le Cost-Cutter“.

(c) Die Presse/Clemens Fabry



Aber am Ende des Tages braucht es Autos, die eine gewisse Begehrlichkeit entfalten, sodass sie nicht verlustreich, wie früher mit hohen Rabatten, in den Markt gedrückt werden müssen. Und damit sind wir bei der zweiten Generation des Peugeot 2008, an der sich die merklich erhöhten Ambitionen von Marke und Baureihe gut ablesen lassen. Der etwas beliebige Ausdruck des Vorgänger-2008 ist frischer Imposanz gewichen, wir sehen einen Cross-over, dessen SUV-Attribute hübsch herausgeputzt sind – stolz aufragender Kühlergrill, prominent ausgeformte Motorhaube, ein ganz ansehnliches Spiel aus Kanten und Rundungen bis hin zur Heckpartie, die stilistisch den größten Fortschritt gemacht hat.

Der 2008 wirkt nicht nur größer, er ist es auch: 14 Zentimeter länger und mit fast sieben Zentimetern mehr Radstand als der Vorgänger setzt er sich deutlich ab vom 208, mit dem er sich die modulare Plattform teilt. Radikal verschlankt ist das Aufgebot der Antriebe: Neben der Elektro-Version gibt es einen 1,5-Liter-Diesel und einen 1,2-Liter-Benziner, aufgefächert auf jeweils drei Leistungsstufen. Allrad ist nicht im Programm. Wir führten den Vierzylinder-Diesel mit 130 PS aus, die Schaltarbeit übernahm eine Achtgang-Automatik. Die Kombination ist ausreichend geschmeidig und ganz auf Sparsamkeit getrimmt – wir resümierten mit achtbaren 5,8 Litern auf 100 km –, dennoch kommt man recht spritzig vom Fleck.

Das Lenkrad: niedrig, aber funktioniert.
Das Lenkrad: niedrig, aber funktioniert.(c) Die Presse/Clemens Fabry



Solang man sich halt aufs Mitschwimmen beschränkt. Für Unterhaltung sorgt die Ausgestaltung des Interieurs. Zum einen staunen wir immer noch über Peugeots mutigen Alleingang namens i-Cockpit: Das kleine, flache Lenkrad hält man niedrig, fast auf Höhe des Schoßes, solcherart unverstellt ist der Blick auf die Instrumententafel. Diese Form des Cockpits pflegt Peugeot seit 2012, und wir waren nicht immer begeistert davon. Über die Jahre wurde aber gefeilt an der Abstimmung, speziell an der (variablen) Lenkübersetzung, sodass wir heute sagen können: Die Sache funktioniert. Es ist sogar reizvoll, jedenfalls ein Komfortgewinn, das Lenken lässig mit einem Schwung aus den Handgelenken zu erledigen, während die Ellbogen beiderseits Halt finden.

Die digitalen Instrumente selbst wurden um einen 3-D-Effekt bereichert – erstaunlich attraktiv sieht das aus, und es ist auch funktionell sinnvoll, verschiedene Ebenen zu schaffen – speziell im Navi-Modus, in dem wir als Pfeil über der stilisierten Topografie schweben. Für diese Technik musste offenbar am Prozessor gespart werden, das Stocken der animierten Grafiken trübt den Effekt gelegentlich. Das Tasten-Piano unter dem zweiten Display, das Bordmenü wiedergebend, ist unübersichtlich mit seinen kleinen Symbolen, und dass die Klimatisierung erst digital aufgerufen werden muss, ist kein Gewinn. Immerhin versöhnt uns Peugeot mit einem Prachtexemplar von einem analogen Lautstärkeregler – derlei hat man anderswo längst untergehen lassen.

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Peugeot 2008 Blue-HDI 130

Maße L/B/H 4300/1770/1530 mm. Radstand 2605 mm.
Leergewicht 1235 kg.
Kofferraum 405–1467 Liter.

Motor R4-Zylinder-Turbodiesel, 1499 ccm. Leistung max. 96 kW (130 PS) bei 3700/Min. Drehmoment max. 300 Nm bei 1750/Min.
0–100 km/h in 9,3 Sek. Vmax 195 km/h.
Frontantrieb. Achtgang-Automatik.

Testverbrauch 5,8 l/100 km.

Preis ab 31.760 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2020)