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Soul und Pop

Lianne La Havas: Ein Manifest des Bittersüßen

„Ein Sturm zog auf. Ich hörte Amy Winehouse“, erinnert sich die Britin Lianne La Havas an ihre Anfänge.(c) Warner Music
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Die Britin Lianne La Havas beherrscht den schmalen Grat zwischen Soul und Pop ähnlich souverän wie Sade. Im dritten, selbstbetitelten Album verwandelt sie persönliche Tiefs in künstlerische Hochs.

Überraschend ungeniert gähnte die sonst so stilvolle Sängerin in ihre Handykamera. Sie zeigt noch ihre hintersten Backenzähne (unplombiert!). Der Zoom-Video-Call, der derzeit wegen der Pandemie bei internationalen Musikerinterviews bemüht wird, ist ein seltsames Medium. Egal, ob man die klassische Wohlfühlfrage platziert oder Spitzfindiges erörtern will, Bild und Ton laufen nicht selten markant auseinander. Im Falle der britischen Soul-Pop-Sängerin La Havas schon bei der ersten Frage, die, obwohl aufgelegt, wie eine Majestätsbeleidigung ankommt. In den Linernotes ihres nach fünf Jahren Pause endlich erschienenen dritten Albums, schrieb sie davon, dass sie ihren Mut verloren, zuletzt aber wiedergewonnen hätte. „This is the album I've always wanted to make. Thank you for this 49 minutes, forever <3“ jubelt sie in den Linernotes.