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An der Costa del Quarantine

Alles Roger im Königreich, Boris? Nicht so ganz, um britisches Understatement zu strapazieren.

 Bei seiner Bilanz über sein erstes Jahr in der Downing Street hatte der britische Premier in der BBC zwar nonchalant kleinere Fehler eingeräumt. Aber sonst? Läuft alles prächtig. Nun ja. Kurz darauf fasste seine Regierung – oder vielmehr er selbst mit den engsten Beratern – aus heiterem Himmel den Beschluss, britische Urlauber nach ihrer Rückkehr aus dem Spanien-Urlaub in zweiwöchige Quarantäne zu sperren.

Pech, dass Tausende gerade ins Flugzeug gestiegen waren, um sich an der Costa del Sol oder der Costa Brava rösten zu lassen – inklusive dem Verkehrsminister, der doch eigentlich Bescheid wissen sollte. Jetzt kochen sie vor Wut unter brütender katalanischer oder andalusischer Sonne, und die Poeten der Sonntagszeitungen dichteten: „El Hell“, „Costa del Quarantine“, „Spain Pain“.

Und dann erst die Royals. Da sitzt die Queen beim Fünf-Uhr-Tee Modell für ein Gemälde fürs Außenministerium, und hinter ihrem Rücken spielen sich allerlei unschöne Dinge ab. William, der „Snob“, warnte Bruder Harry angeblich vor der überstürzten Ehe mit „Showgirl“ Meghan. Aufregung also allerorten und keine Flaute auf der Insel im Sommerloch. Die Gazetten können „Nessie“ heuer getrost in den Tiefen von Loch Ness grundeln lassen.

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2020)