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Der Trieb der Vagina dentata

Eines wissen wir zumindest: Was Donald Trump getan hätte – nämlich der auf Portlands Straßen die Polizei mit weit gespreizten Beinen in nackte Panik versetzenden Frau genau dorthin zu greifen.

„Grab them by the pussy. You can do anything“ hat gute Chancen, neuer Leitspruch der US-Polizeiausbildung zu werden, wenn diese verstörende Praxis der Entblößung in der US-Protestkultur weiterhin um sich grapscht, also greift.
Die hier so effektiv zu Boden gegangene anonyme Sexarbeiterin wusste aber wohl sichtlich, womit sie (noch) rechnen kann – dem alten, universalen Wissen ihrer Landsleute. Sogleich wurde sie dementsprechend als „nackte Athene“ gefeiert, schließlich nicht nur als Göttin der Weisheit, sondern auch als ewige Jungfrau weit über den Olymp hinaus bekannt. Die Freud'sche Pflichtlektüre, die der US-Polizei ja seit Jahrzehnten bekanntermaßen schlaflose Nächte bereitet, tat ihr Vorhersehbares. Als der Schrei „Vagina dentata“ also die Polizisten panisch ihre Pfeffergeschosse einpacken und blindlings fliehen ließen, wussten sie – sie können nicht anders, es ist die ewige Kastrationsangst, die sie treibt. Wikipedia traut da lieber keiner: „Aus gynäkologischer Sicht“, steht da, „gibt es keine wissenschaftliche Dokumentation einer Vagina dentata.“ Tatsächlich. Wenn sich das bis nach Portland herumspricht. (sp)

Reaktionen an: almuth.spiegler@diepresse.com