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Morgenglosse

Der Kardinal als SPÖ-Wahlhelfer?

Der Kardinal als Wahlhelfer für Michael Ludwig?
Der Kardinal als Wahlhelfer für Michael Ludwig?APA/ROLAND SCHLAGER
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Christoph Schönborn ist nicht davor zurückgeschreckt, zwei Monate vor der Wiener Wahl mit SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig öffentlich aufzutreten.

Schnellschuss kann das Projekt nicht wirklich genannt werden. Michael Ludwig hat als Wohnbaustadtrat die Idee, im Stadterweiterungsgebiet Aspern einen Campus der Religionen zu errichten, schon vor fünf Jahren geäußert. Das Grundstück steht seither noch immer leer, was in der „Seestadt“ nicht extrem auffallen würde. Lediglich einsame Fahnen der Religionsgemeinschaften - die jüdische wurde mehrfach verunstaltet und herabgerissen - erinnern vage an das Vorhaben.

Am Dienstag hat Michael Ludwig nun als Bürgermeister das Siegerprojekt des Architektenwettbewerbs im Wiener Rathaus präsentiert. Kosten und Zeitplan sind wieder vage geblieben. Und es fällt auf, dass die orthodoxen Kirchen bei dem Vorhaben nicht dabei sind. Schade, immerhin leben – auch wenn es kaum für möglich gehalten wird - mittlerweile mehr orthodoxe Christen in Österreich als vermeintlich omnipräsente Muslime.

Erinnerung an Franz König - Bruno Kreisky

Mit dabei ist und war auch bei der Präsentation hingegen Erzbischof Christoph Schönborn. Der rote Kardinal, Teil zwei also? Die ÖVP hat ja mit dieser durchaus vorwurfsvoll gemeinten Zuschreibung in den 1970er Jahren über Kardinal Franz König gespottet, der in Gesprächen mit Bundeskanzler Bruno Kreisky und dem rot dominierten Gewerkschaftsbund Gräben aus der Zwischenkriegszeit zwischen katholischer Kirche und den Sozialisten (damals nannten sie sich noch so) zuschütten konnte.

Ein Kardinal als Wahlhelfer für Michael Ludwig? Beide würden das strikt zurückweisen. Sicher ist jedenfalls: Dem Wiener Bürgermeister ist das Thema (Zusammenarbeit der Religionen, keine Religionskriege) wichtig. Und er ist natürlich ein politischer Vollprofi. Den Termin des insgesamt durchaus visionären Projekts auf die Zeit nach dem 11. Oktober zu verschieben, wäre viel verlangt gewesen. Zu viel.