Schnellauswahl
Datenschutz

Wie der Secret Service sich klammheimlich Nutzerdaten besorgt

Statt richterlichen Anordnungen und Haftbefehlen kauft sich der Secret Service die gewünschten Daten.REUTERS
  • Drucken

Seit Jahren verkauft der Dienst Babel Street gesammelte Standort-Informationen über US-Nutzer an amerikanische Geheimdienste. Grenzschutz, Zoll und Secret Service bezahlen Millionen, um so gerichtliche Anordnungen zu umgehen.

Bei all den Meldungen darüber, dass TikTok womöglich Daten von US-Nutzern sammelt und an die chinesische Regierung weiter gibt, wird oft vergessen, welch großes Interesse die amerikanischen Geheimdienste an den Informationen ihrer Landsleute haben. Aktuelles Beispiel: Ein neu veröffentlichtes Dokument zeigt, dass der US-Geheimdienst Secret Service Standortinformationen über Amerikaner über eine umstrittene Social-Media-Firma erworben hat, um so einen richterlichen Beschluss zu umgehen.

Basierend auf dem Schutz des vierten Verfassungszusatzes müssen Strafverfolgungsbehörden in der Regel einen Haftbefehl oder eine gerichtliche Anordnung einholen, um Standortdaten eines Verdächtigen zu erhalten. Im Jahr 2018 entschied der Oberste Gerichtshof sogar, dass Polizisten einen Haftbefehl benötigen, um Standortdaten von Mobiltelefonen von Netzbetreibern zu sammeln. Das Locate-X-System erspart den Behörden diesen Weg der Prüfung.

Babel Street bietet ein Produkt namens Locate X, worüber anonymisierte Standortdaten von einer Vielzahl beliebter Apps gesammelt werden sollen, die Benutzer unwissentlich auf ihren Handys installiert haben. Das bedeutet, dass Nutzer beim Download zwar grundsätzlich der Abfrage der Standortdaten zugestimmt haben, aber sicherlich nicht darüber informiert wurden, wozu diese Daten verwendet werden. Meist sind es harmlos anmutende Apps, die dann die Daten bündeln, anonymisieren und sie an den Meistbietenden verkaufen. Wie ein Bericht von „Protocol“ aufzeigt, soll sich Babel Street dieses Service einiges kosten lassen. Zu den Kunden zählen demnach die Einwanderungsbehörde ICE, der Zoll- und Grenzschutz sowie auch der Secret Service.

Mit dieser Software sei es möglich, „einen digitalen Zaun um eine Adresse oder einen Bereich zu ziehen und mobile Geräte genau bestimmen zu können“. Auch der Secret Service soll die Dienste des Locate X-System bei Untersuchungen eines großangelegten Kreditkartenbetrugs verwendet haben, wie aus einem Bericht des Magazin Motherboard hervorgeht.

Heikel sind auch die Nutzungsbedingungen von Locate X. Das Unternehmen schwört auf Geheimhaltung. Kunden werden dazu verpflichtet, dass ihr Dienst nie in Gerichtsdokumenten aufscheint. Woher die Informationen über die Standorte möglicher Verdächtiger stammt, darf also nicht mitgeteilt werden.

Wie können sich Nutzer schützen

Mit den Änderungen in den Nutzungsbedingungen in Googles Betriebssystem Android sowie auch in iOS von Apple, können Nutzer selbst entscheiden, welche Berechtigungen sie einer App erteilen. Dabei muss auch der Zweck einer Anwendung immer hinterfragt werden. Es gibt in den jeweiligen Stores Angebote von Taschenlampen-Apps, die Zugriff auf die Kontakte und die Standortdaten haben wollen. Diese brauchen sie aber definitiv nicht, damit die App einwandfrei arbeitet. Hinzu kommt, dass viele Smartphones bereits eine Taschenlampe integriert haben.

Es ist auch möglich, die Standortinformationsweitergabe einzuschränken. Das heißt, dass der Nutzer bestimmen kann, wann die App darauf zugreifen kann. Im Idealfall nur, wenn die Anwendung gerade aktiv genutzt wird.

>>> Bericht auf Motherboard

>>> Bericht auf Protocol

(bagre)