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Humanitäres Engagement

Schulprojekt Newcomer: Journalismus auf Augenhöhe

Melisa Erkurt (v. l.), Aleksandra Tulej und Delna Antia-Tatic vom Projekt Newcomer.Die Presse/Clemens Fabry
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Das Schulprojekt Newcomer des Magazins „biber" ermöglicht Jugendlichen, ihre eigene Geschichte zu erzählen – und dabei Anerkennung zu erfahren.

Einen Artikel schreiben, ein Video gestalten, einen Podcast aufnehmen, eine Fotoreportage erstellen – den Inhalt dürfen die Schülerinnen und Schüler ebenso frei wählen wie die Aufbereitung. Zum einen, um ihnen Einblick in Medienarbeit zu gewähren; zum anderen, um ihr Selbstwertgefühl und ihr Vertrauen in ihre eigene Kreativität sowie Fähigkeiten zu stärken. „Eigentlich machen wir das, was das Bildungssystem vernachlässigt“, sagt Melisa Erkurt.

Die Journalistin, frühere AHS-Lehrerin und Buchautorin („Generation Haram“) war langjährige Leiterin des Projekts Newcomer, das vom Magazin „biber“ vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde. Mit der Absicht, Österreichs Medienlandschaft sozial benachteiligten Jugendlichen näherzubringen, die sonst keinerlei Berührungspunkte mit Zeitungen, Fernseh- und Radioanstalten haben. Daher sind auch Redaktionsbesuche sowie Gastvorträge renommierter Journalisten Teil des Programms.

Erkurt, „biber“-Redakteurin Aleksandra Tulej und „biber“-Chefredakteurin Delna Antia-Tatic, die das Schulprojekt mittlerweile leiten, sind als Österreicherinnen des Jahres in der Kategorie „Humanitäres Engagement“ nominiert. Das Projekt befindet sich derzeit auch im Finale der von Puls 4 ausgeschriebenen „Mega Bildungsmillion“, bei der eine Woche lang acht Bildungsinitiativen vorgestellt werden, drei von ihnen erhalten eine Förderung. Die Abstimmung läuft bis Donnerstagmittag.

Vorbilder und Identifikationsfiguren

„Künftig wollen wir noch mehr Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, unser einwöchiges Programm in Anspruch zu nehmen“, sagt Antia-Tatic. Die Nachfrage sei enorm, immer wieder meldeten sich Schuldirektoren von sich aus, um ihre Klassen – zumeist aus der siebten und achten Schulstufe – anzumelden. Den Erfolg des Programms führt sie vor allem darauf zurück, dass die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen „auf Augenhöhe“ erfolge. „Sie sehen in uns Vorbilder und Identifikationsfiguren, sind oft erstaunt darüber, dass wir mit unserem Namen und unserer Biografie in solchen Berufen arbeiten.“ Das würden sie aus ihren Familien und ihrem Umfeld nicht kennen.

„Umso größer ist die Leidenschaft, mit der sie mitmachen“, sagt Tulej. „Sie geben viel von sich preis und legen Wert auf Zusammenhalt. Wir werden zu Vertrauenspersonen für sie.“ Manchmal werde sie Jahre später von Schülern angeschrieben, die sie um Rat fragten oder ihre Erfahrungen mit ihr teilen wollten.

Plattform als langfristiges Ziel

Als „Initiative von Migranten für Migranten“ bezeichnet Erkurt das Projekt. Obwohl natürlich auch Jugendliche und Vortragende ohne Migrationshintergrund teilnehmen dürfen. Das mache Newcomer so einzigartig und authentisch.

Als langfristiges Ziel ist daher eine eigene Plattform geplant, auf der ehemalige und aktuelle Teilnehmer ihre Beiträge veröffentlichen – natürlich gegen Bezahlung. „Wenn es um Förderung von Migranten in Schulen geht, höre ich oft, was alles nicht umsetzbar ist“, sagt Erkurt. „Dieses Projekt, bei dem einfach gemacht statt geredet wird, ist der Gegenbeweis.“