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Entwicklungshilfe: Ein »Engel« in Afrika

Elisabeth Cerwenka
Elisabeth Cerwenka(c) CHRISTOPH ASCHER
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Seit ihrer Pensionierung setzt sich die Ex-Polizistin Elisabeth Cerwenka mit dem Projekt Grenzenlos helfen für bessere Lebensbedingungen in Ghana ein.

Als „Engel von Ntronang“ wird Elisabeth Cerwenka in dem afrikanischen Dorf gern bezeichnet: Seit 16 Jahren setzt sich die Tirolerin mit ihrem Entwicklungsprojekt „Grenzenlos helfen“ ehrenamtlich in Ghana ein.
In Ntronang baute sie mit Hilfe von Spendengeldern bereits eine Krankenstation und eine Schule, regelmäßig schickt sie Hilfsgüter und fliegt nach Afrika. „Ich möchte den Menschen direkt vor Ort helfen und frage sie bei jedem Besuch, was sie denn gerade am dringendsten brauchen“, sagt Cerwenka. „Auch damit die Leute nicht aus ihrer Heimat flüchten müssen.“ Das Hilfsprojekt startete Cerwenka, als sie in Pension ging. Geplant war das aber nicht: „Ich bin mit der Zeit irgendwie hineingewachsen“, erzählt sie.

Ihr Lebenslauf ist jedenfalls ungewöhnlich: In Innsbruck war sie erst Polizistin, dann wechselte sie zu einem Pharmaunternehmen. Nach ihrer Pensionierung startete sie die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin – durch die sie 2006 das erste Mal über eine Studienreise mit Afrika in Berührung kam. „Damals hatte ich noch keine Idee, dass ich bald so oft wieder zurückkommen würde“, sagt Cerwenka.

Doch schnell lernte sie Ghana lieben. „Ich weiß noch, dass ich gegen Ende der Rundreise plötzlich gespürt habe, ich muss wieder kommen.“ Der afrikanische Lebensmut und die Gelassenheit der Leute faszinieren Cerwenka. Und: „Wenn man so viel Elend und Not sieht, ist es schwierig, nichts zu tun.“ Mittlerweile fliegt sie drei- bis vier- mal im Jahr nach Ghana. „Natürlich sind sehr viele Freundschaften entstanden. Ich bin dort keine Besucherin mehr, sondern gehöre zum Dorf“, so Cerwenka. Heuer war wegen der Coronakrise kein Wiedersehen möglich. So schickte sie drei Container mit medizinischem Equipment, Kleidung und Lebensmitteln. Die Pandemie habe die Situation in Ghana noch verschlimmert, berichtet sie.

Manche Menschen hätten kein Dach über dem Kopf und teilweise mehrere Tage nichts zu essen. Bildung sei schwer zugänglich. „Kinder brauchen Schuluniformen, um in die Schule gehen zu dürfen, und wenn man einen Lehrberuf ergreifen will, muss man im Vorhinein zahlen“, so Cerwenka. „Das kann man sich im Normalfall nicht leisten.“ Vor allem für Kinder sei die Situation schwierig. So setzt sich Cerwenka auch besonders für die siebenjährige Mary ein, die nach einem Verbrennungs-Unfall mehrere Operationen benötigte – und die Cerwenka liebevoll „mein Mädchen“ nennt.

Um das Projekt finanzieren zu können, veranstaltet Cerwenka jährlich ein Benefizkonzert zur Weihnachtszeit. Denn „Grenzenlos helfen“ finanziert sich nur auf Spendenbasis. Cerwenka freut sich auch über kleinere Spenden: „Jeder Euro ist wichtig.“ »