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Österreicher des Jahres

Bernd Lamprecht: Der Informant

Bernd Lamprecht
Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler-Universitätsklinikum und stellvertretender Studiendekan der Medizinischen Fakultät der Johannes-Kepler-Universität.Kepler Uniklinikum
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Der Lungenfacharzt Bernd Lamprecht behandelt Covid-19-Patienten, testet das Medikament von Josef Penninger, lehrt an der Universität und hält die Nation über die neuesten Erkenntnisse zum Coronavirus auf dem Laufenden. Er ist bei der Austria'20 in der Kategorie Österreicher des Jahres nominiert

Sie kann vielleicht trainiert, aber niemals von Grund auf erlernt werden und hat ihn während der Coronakrise zu einem der gefragtesten Interviewpartner für Journalisten im deutschsprachigen Raum gemacht – die seltene natürliche Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge so zu erklären, dass sie auch Laien verstehen. Ohne auch nur ein einziges Wort zu viel zu benötigen, hilft Bernd Lamprecht Millionen Menschen dabei, neue Erkenntnisse über die Epidemie einzuordnen – am häufigsten in der „Presse“, in der seine Expertise und sein trockener Humor ganz besonders geschätzt werden.

Mindestens so sehr wie von seinen Studierenden an der Medizinischen Fakultät der Johannes-Kepler-Universität in Linz, an der er auch stellvertretender Studiendekan ist; und von seinen Patienten in der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler-Universitätsklinikum, die er seit 2013 als Vorstand leitet. Hier wird unter seiner Federführung auch der von Josef Penninger (siehe Porträt rechts) mitentwickelte Wirkstoff APN01 gegen Covid-19 getestet. Bernd Lamprecht ist daher bei der Austria'20 in der Kategorie Österreicher des Jahres nominiert.

„Nein, zu viel der Ehre“, sagt der 44-Jährige, als er davon hört. Und auch bei späteren Anlässen. Akzeptiert die Nominierung erst, als er erfährt, dass sie von seiner Leserschaft stammt, die ihm damit ihre Wertschätzung zeigen will. „Wenn es dem Zusammenhalt dient, stehe ich zur Verfügung“, sagt der Vater zweier Kinder im Alter von 16 (Jakob) und 14 (Clemens). Und erzählt von einer Begegnung mit dem in Linz bekannten Konditor Leo Jindrak, die ihm vor Augen geführt habe, wie stark die Gesellschaft in der Krise zusammenhält. Dieser habe ihn am Ostersonntag angerufen und gefragt, ob er den diensthabenden Pflegekräften sowie Ärzten in den Coronastationen Torten und Mehlspeisen bringen dürfe. „Obwohl seine Betriebe damals geschlossen waren und er keine Einnahmen hatte“, sagt Lamprecht. „Diese Geste hat mich tief beeindruckt.“ Beeindruckend sei aber auch die Kooperationsbereitschaft in der Forschung mit enormen Fortschritten, die ein Ende der Pandemie Anfang/Mitte nächsten Jahres absehen ließen.

Bis dahin kann er Leidenschaften wie etwa Schach, Skifahren und Bergwandern nur eingeschränkt nachgehen, auch Urlaube im Mühlviertel, Salzkammergut und in den Karnischen Alpen in Kärnten, wo er aufwuchs, müssen warten. Ebenso wie große Fortschritte bei seinen Tanzkursen mit Gattin Claudia. Allerdings hätten sich diese schon zuvor nicht in gewünschtem Ausmaß eingestellt. „Ich fürchte, dass dabei nicht nur Zeit, sondern auch Begabung eine Rolle spielt“, sagt Lamprecht, ohne eine Miene zu verziehen. „Und ich weiß nicht, wie lang ich diesen Umstand noch hinter Corona verstecken kann.“