Schnellauswahl
Forschungsfrage

Ist Urlaub in Österreich gut für das Klima?

Die Presse
  • Drucken
  • Kommentieren

Wegen Grenzkontrollen und Testchaos urlaubten heuer viele Menschen im Inland. Hält der Trend an, könnte das zum Klimaschutz beitragen.

Der erste Coronasommer neigt sich dem Ende zu. Während die Letzten noch in der Kletterwand hängen oder am Pool liegen, lässt sich eine erste Bilanz ziehen. Ob es an den Überredungskünsten der Tourismusministerin lag oder daran, dass es sich im Land der Berge und Dome eigentlich ganz gut aushalten lässt: Diesen Sommer verbrachten überdurchschnittlich viele Menschen ihren Urlaub in Österreich. Gut für die Wirtschaft. Aber ein „Presse“-Leser wollte wissen: Bringt das auch etwas für den Klimaschutz?

Betrachtet man nur die Treibhausgasemissionen, verantworten Tourismusaktivitäten davon weltweit rund acht Prozent – das errechnete eine 2018 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie. Der Fußabdruck jeder einzelnen Reise setzt sich dabei aus verschiedenen Teilbereichen zusammen: „Im Schnitt geht der größte Anteil auf die Anreise zurück“, so Willi Haas vom Institut für Soziale Ökologie (SEC) an der Wiener Boku. Weil das Flugzeug für immer mehr Menschen verfügbar ist, haben sich diese Mobilitätsemissionen in den vergangenen Jahrzehnten drastisch erhöht. „Aber auch die Mobilität vor Ort, Essen und Unterkunft spielen eine Rolle. Und nicht zuletzt die Urlaubsaktivitäten“, so Haas. Die Extreme lassen sich einfach definieren: Wer den Weitwanderweg an der eigenen Haustür beginnt, ist sehr viel sparsamer unterwegs als der Karibik-Jetsetter, der sich dort einen Sportwagen mietet.

Dazwischen jedoch gibt es viele Herausforderungen bei der Errechnung des Fußabdrucks. Klassischerweise nutzen Forscher dafür Input-Output-Tabellen. „In den Tabellen wird die Kohlenstoffintensität jeder wirtschaftlichen Aktivität erfasst. Kombiniert mit den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen kann man damit die Klimagasemissionen einer Konsumaktivität inklusive aller Vorleistungen errechnen“, sagt der Sozialökologe. Die vielen dabei getroffenen Annahmen verleihen solchen Zahlen allerdings eine gewisse Unschärfe.