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Chinesische Drohnen für Separatisten im Südjemen

Die Gewalt ist im Jemen endemisch.ura
REUTERS
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Alle Bürgerkriegsparteien im Jemen begehen schwere Kriegsverbrechen, wie ein UN-Bericht aufzeigt. Eine neue Separatistengruppe versucht sich nun mit tatkräftiger Hilfe aus dem Ausland zu profilieren.

Kindersoldaten, Vergewaltigungen, Landminen, Folter, Wasser- und Nahrungsmittelmangel, Covid 19. "Der Jemen ist in einem Ausmaß verwüstet, dass das Gewissen der Menschheit aufschreien sollte", erklärt Kamel Jendoubi, Vorsitzender der Expertengruppe, die für die Vereinten Nationen die Situation untersucht hat.

Vor wenigen Tagen ist ihre Untersuchung herausgekommen, die vor allem belegt, dass alle Seiten sich an Gräueln und Kriegsverbrechen beteiligen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Beispiel Saudiarabien: Bei einem Luftschlag der von Saudiarabien geführten Koalitionskräfte gegen ein Dorf am 15.2.2020 kamen 50 Zivilisten um. Beispiel Houthis: Am 7.2.2020 beschießen sie ein Krankenhaus mit einer Katyusha-Rakete, um es zu zerstören. Und die Houthis gehen noch weiter, in direkter Verletzung aller internationalen Vertragswerke legen sie Landminen, die letztlich vor allem Schafe hütende Kinder töten.  

Ein Fall für den Strafgerichtshof

Viele dieser Untaten werden zwar von saudischen Beobachtungsmissionen oder staatlichen jemenitischen Einrichtungen erfasst oder untersucht - aber nie werde jemand zur Rechenschaft gezogen, sagt die UN-Expertengruppe. Sie fordern nun, dass der Sicherheitsrat sich mehr mit der Situation im Jemen befassen müsse. Oder am besten gleich der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag, fordern sie.

Eines der gravierendsten Probleme ist ihrer Untersuchung zufolge der unkontrollierte Import an Waffen an alle Gruppierungen. Tatsächlich weitet sich dieser Konflikt so aus, dass immer mehr regionale Kräfte hineingezogen werden. Gleichzeitig zerfasern die Fronten, was dazu führt, dass kleinere Gruppen immer mehr Kriegsgeräte einkaufen. Zum Beispiel hat sich neben den aufständischen Houthis eine Separatistenfront gebildet, die den Süden Jemens in die Unabhängigkeit führen möchte. Ganz wie zu Zeiten des Kalten Krieges.

Geld aus den Emiraten und aus Katar

Aus einem Dossier des ehemaligen Geheimdienstlers Jason G. (Pseudonym) geht nun hervor, dass ein führendes Mitglied dieser Separatisten von den Vereinigten Arabischen Emiraten Geld erhält. Und gleichzeitig paktiert er heimlich direkt mit ihrem Kontrahenten Katar. Das ermöglicht es dieser speziellen Gruppe, über Tarnfirmen hochentwickelte chinesische Drohnen zu kaufen, die weiter fliegen und mehr Bombenlast tragen können.

Alles mit dem Ziel, in der Hierarchie der vielen kriegführenden Gruppen im Jemen weiter aufzusteigen. Was mit den Zivilisten geschieht, von den schon über 100,000 in diesem Krieg getötet wurden, scheint ohne Belang. Kein Wunder, dass die UN-Experten ihren Bericht mit diesem Titel versehen haben: Jemen - eine Pandemie der Straflosigkeit in einem gequälten Land.