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Europa arbeitet an Webseite im Stil Amazons um faule Kredite zu verkaufen

Die Zentralbank will das Feld nicht den US-Investoren überlassen.
Der Bestand an faulen Kredite soll abgebaut werden.APA/AFP/DANIEL ROLAND
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Corona dürfte zu einem weiteren Anstieg fauler Kredite führen. Die Europäische Zentralbank arbeitet daran, eine Website zu etablieren, über die man Kreditpakete verkaufen kann.

Europa arbeitet an einer Webseite im Stil von Amazon für den Verkauf von faulen Bankkrediten im Volumen von mehreren hundert Milliarden Euro. Damit soll der von der Coronakrise gebeutelten Wirtschaft der Ländergemeinschaft unter die Arme gegriffen werden. "Die Idee ist, den Markt für Käufer von kleineren Portfolios zu öffnen mit einem Marktplatz im Stile von Amazon oder eBay, auf dem man browsen kann", sagte EZB-Experte Edward O'Brien, der in die Pläne involviert ist.

Die von hochrangigen Experten der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgetüftelte Vorlage ist Teil der Anstrengungen der Eurozone, den nach wie vor hohen Bestand an Problemdarlehen in den Bankbilanzen abzubauen. Faule Kredite sind für die Wirtschaft ein großes Problem. Denn eine Bank wird umso zögerlicher bei der Darlehensvergabe agieren, je mehr Wackelkredite sie mit sich herumschleppt.

Zudem soll verhindert werden, dass diese von Hedgefonds, die auf den Erwerb von notleidenden Firmenkrediten spezialisiert sind, zu Schleuderpreisen erworben werden. Üblicherweise trennen sich Banken von ihren faulen Krediten zu Preisen, die einem Bruchteil ihres vormaligen Wertes entsprechen. Mit dem Vorstoß könnte Europa ein Stück weit der Übermacht der großen Kreditinvestoren an der Wall Street Paroli bieten.

Start schon 2021?

Nach der Finanzkrise 2008 hatten große Fonds Kredite im Volumen von vielen Milliarden Euro erworben. Zum Teil sind diese Portfolios danach im Wert gestiegen. Mit der von der EZB ersonnenen neuen Plattform, die bereits nächstes Jahr an den Start gehen könnte, sollen auch kleinere Investoren angezogen werden. Diese sind möglicherweise bereit, mehr zu zahlen. So könnten auf dem Marktplatz auch Kreditpakete auf zehn Mio. Euro heruntergebrochen werden.

"Der Markt für faule Kredite wurde von sehr wenigen großen Käufern dominiert", sagte O'Brien. "In einem typischen Szenario könnte eine dieser Firmen ein sehr großes Portfolio zu deutlichen Abschlägen erwerben." Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zufolge wurden in Europa zwischen 2014 und 2019 mehr als 450 Mrd. Euro an Krediten verkauft - rund die Hälfte davon wurden von Cerberus, Blackstone, Lone Star und Goldman Sachs übernommen.

Diskussion am Freitag auf EU-Ebene

Der Vorschlag der EZB soll am Freitag von EU-Vertretern diskutiert werden. Ideen für den Vorstoß lieferte beispielsweise die italienische Webseite BlinkS, die Käufer und Verkäufer von Krediten zusammenführt, sowie Schuldenauktionen durch US-Bundesagenturen. Falls die EU-Staaten zustimmen, könnte der Internet-Marktplatz künftig der EU-Bankenabwicklungsbehörde SRB unterstehen.

"Erfolge beim Kaufen oder Verkaufen von faulen Krediten hängen von vielen Insider-Informationen ab. Covid bedeutet, es wird mehr faule Kredite geben. Jeder Verkauf muss transparent sein", fordert etwa Bostjan Jazbec, Direktor beim SRB. Aus Sicht des EZB-Experten John Fell, der in die Pläne involviert ist, stellen notleidenden Kredite aber noch eine größere Herausforderung dar. "Das Problem ist, dass faule Kredite zu oft so begriffen werden, dass dies auf die Banken begrenzt ist", sagte Fell. "Aber das ist viel größer, es betrifft die ganze Wirtschaft."

 

(APA/Reuters)