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Frankreich: Laute Kritik an Räumung von Roma-Lagern

Frankreich: Laute Kritik an Räumung von Roma-Lagern
Frankreich: Laute Kritik an Räumung von Roma-Lagern(c) Reuters (Pascal Rossignol)

Die Kritik an der angeordneten Räumung von Roma-Lagern wächst. Auch im konservativen Regierungslager gibt es kritische Stimmen. Eine rumänische Regierungsdelegation reist zur Beratung nach Paris.

Die von der französischen Regierung angeordnete Räumung von mehreren Dutzend Roma-Lagern stößt im Land zunehmend auf Kritik.

Zwei Bürgermeister aus der Pariser Region hätten den Familien nun Sporthallen als Notunterkünfte zur Verfügung gestellt, berichtete die Zeitung "Le Parisien" am Montag. Auch im konservativen Regierungslager von Präsident Nicolas Sarkozy selbst gibt es Kritik. Die rumänischen Behörden wollen beim nächsten Besuch des zuständigen Staatssekretärs in Paris ihren Kollegen in Frankreich einen Plan zur Integration abgeschobener Roma vorstellen.

"Lediglich politische Stimmungsmache"

Nach Angaben von Hilfsorganisationen gibt es in Frankreich jetzt anstelle der größeren Lager zahlreiche kleine Lager. "Die Auflösung der Lager bringt gar nichts, es handelt sich lediglich um politische Stimmungsmache", meinte der Vorsitzende der Hilfsorganisation France Terre d'asile, Pierre Henry. Die Grünen sprachen auf ihrem Parteitreffen am Wochenende von "schändlichen Vertreibungen". Jean-Pierre Grand, ein Abgeordneter von Sarkozys Partei, der UMP, kritisierte "Methoden, die an die Razzien während des Krieges erinnern".

Innenminister Brice Hortefeux hatte kürzlich erklärt, dass innerhalb von zwei Wochen bereits 40 Lager aufgelöst worden seien. 700 Menschen sollten mit Chartermaschinen abgeschoben werden. Die in Frankreich lebenden Roma stammen meist aus Rumänien oder Bulgarien. Sie reisen als EU-Bürger ungehindert ein, können aber abgeschoben werden, wenn sie straffällig werden oder als "Soziallast" angesehen werden. Zu der "Aktion scharf" kam es, als Sarkozy und UMP-Politiker im Zuge einer Affäre um angebliche illegale Parteispenden durch die "L'Oreal"-Erbin Liliane Bettencourt unter Druck gerieten.

Rumänische Delegation reist nach Paris

Der rumänische Roma-Beauftragte Valentin Mocanu sagte der Agentur Mediafax: "Angesichts der Lage, die durch Erklärungen der französischen Behörden und angekündigte Maßnahmen hergestellt wurde, ist es notwendig, die internen Integrationsmaßnahmen fortzuführen." Am 30. August werde sich eine rumänische Delegation nach Paris begeben, um über die Roma-Frage zu beraten, sagte Mocanu, seines Zeichens Staatssekretär im Arbeitsministerium.

Auch der rumänische Staatssekretär für öffentliche Ordnung und Sicherheit, Dan-Valentin Fatuloiu, werde sich nach Paris begeben, hieß es. Er wolle über eine verbesserte Polizeikooperation sprechen und die Möglichkeit weitere rumänische Polizisten nach Frankreich zu entsenden.

(APA/dpa/AFP)

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