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Robo1

Ein Gen, das die mathematische Begabung prägt

(c) imago images/Panthermedia
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Robo1 beeinflusst das frühe Wachstum des Scheitellappens in der rechten Hirnhälfte.

„Mathematische Begabung ist erblich und mit etlichen Genen verbunden, die im Hirn Proteine exprimieren“: Mit diesem trockenen Statement leiten Neuropsychologen um Michael Skeide (MPI Leipzig) ihren Bericht in Plos Biology (22. 10.) ein. Darin konzentrieren sie sich auf ein Gen namens Robo1, von dem es mehrere Varianten gibt. Welche davon ein Mensch geerbt hat, beeinflusst das Wachstum seines Gehirns vor der Geburt, insbesondere des rechten Scheitellappens, der u. a. für die Verarbeitung von Quantitäten, also auch Zahlen zuständig ist. Unterschiede in dessen Volumen sind immerhin für bis zu ein Fünftel der Unterschiede in den mathematischen Fähigkeiten von Sieben- bis Neunjährigen verantwortlich. Das zeigten die Forscher mit dem Heidelberger Rechentest und Magnetresonanzmessungen im Hirn.

Der Name Robo1 kommt nicht von etwaigen Roboter-Intelligenzen, sondern von „roundabout homolog“. Genetiker benennen von ihnen beschriebene Gene makabrerweise oft nach den Missbildungen, die deren Ausfall in Versuchstieren bewirkt. Diesfalls in Fruchtfliegen, die ein homologes, also evolutionär verwandtes Gen namens „roundabout“ haben, das so heißt, weil sich sein Ausfall in Missbildungen im Zentralnervensystem der Fliegen äußert, deren Form an einen Kreisverkehr erinnert.

Bei Menschen kennt man auch andere Gene, die Proteine im Nervengewebe hervorbringen und laut Genomvergleichen die mathematische Begabung beeinflussen. Doch so schlüssig wie bei Robo1 ist der Zusammenhang bisher wohl nicht nachgewiesen worden. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)