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Unterwegs

Leere Grandhotels

In der Maskendiktatur Italien warten Grandhotels auf bessere Zeiten. Was steckt hinter ihren hochtrabenden Namen?

Eine leere, breite Allee am Rand eines ligurischen Badeorts. Nur ein einzelner Wanderer geht sie entlang. Infektionsrisiko: nullkommanullnull. Die Polizistin auf Patrouille zur Kontrolle der Maskenpflicht im Freien herrscht ihn aus dem geöffneten Autofenster an: „Mascheriiiiiina!!“ Das hätte auch der Duce nicht besser hingekriegt, und es vertreibt effektiv die letzten Gäste. Aber was soll's: Die ehrwürdigen Hotelkästen an der Riviera haben zwei Weltkriege erlebt, sie sollten auch überzogene Corona-Maßnahmen überstehen.

Wo ihre Namen doch so viel Glanz verheißen! Gut, das Paradies ist verloren: Vom Eden in Nervi, das Hofmannsthal im „Unbestechlichen“ verewigt hat, sind nur Wohnungen geblieben. Aber ein Metropole bringt noch in viele Käffer einen Hauch von Großstadt. Excelsior heißt im Lateinischen „das Ausgezeichnetere“, aber wer sich mit der Tabellenkalkulation Excel herumplagt, weiß, dass solchen Attributen nicht zu trauen ist. Im Imperiale verkehrten offenbar die Kaiser, fünf Sterne sind Pflicht. Das Royal für die Könige kommt da schon nicht mehr ganz mit, und ein Ambassador für einfache Botschafter ist nach dieser Logik nur mehr Mittelklasse für die Masse.

Rätsel gibt das Bristol auf: Es ist tatsächlich jene graue, unspektakuläre englische Stadt, auf die Hotels dieses Namens verweisen. Dabei sind sie allesamt Luxusherbergen, während Betriebe, die sich nach so schönen Orten wie Roma oder Nizza benennen, meist nur schäbige Pensionen sind. Der Sternenhimmel der Hotellerie, welch unergründliche Weiten! ⫻

karl.gaulhofer@diepresse.com

 


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